5 Jahre Selbstständigkeit – 5 Einsichten

In den nächsten Tagen ist es tatsächlich so weit: ich feiere meinen 5. Geburtstag. Vor ziemlich genau fünf Jahren habe ich aufgeregt mein Gewerbe angemeldet und beschlossen: jetzt bin ich selbstständig.

Natürlich war es damit nicht getan – jeder, der selbstständig ist, weiß das natürlich. Voran ging ein langer Prozess der „Will-ich-will-ich-nicht“-Fragen, der Konzeption, der Kalkulation, der Positionierung und so weiter. Und wenn ich heute zurück schaue, kann ich sagen: dieser Prozess hört eigentlich nie auf. Warum ist das eigentlich so? Ist eine Firma, ein Unternehmen nie fertig?

Nirgendwo ist Stillstand

Wir alle kennen es aus dem normalen Leben: die Welt verändert sich, dreht sich immer weiter und bringt neue Entwicklungen. So ist das auch im Business-Leben. Nirgendwo ist Stillstand. Die Angebote ändern sich, die Techniken ändern sich und nicht zuletzt auch die Kunden ändern ihr Verhalten hin und wieder. Darauf müssen Selbstständige, müssen Unternehmer reagieren.  Wer hier auf alt hergebrachten Strukturen, Angeboten oder Verfahren beharrt, wird irgendwann abgehängt.

Damit bin ich auch schon bei meinen fünf Einsichten der vergangenen Jahre. Ich gebe sie gerne weiter  – an künftige Gründer, an derzeitige Haderer und die, die gerade einen Impuls brauchen, damit es weitergehen kann.

 

1.Selbstständigkeit heißt Verantwortung

Sich selbstständig zu machen bedeutet viel Positives: man ist flexibler, was die Arbeitszeiten angeht, man kann ohne Probleme ständig neue Ideen entwickeln und versuchen, diese umzusetzen, man kann seine Passion, seinen Traumjob an die Kunden bringen und und und. Aber Selbstständigkeit bedeutet auch einen ganzen Sack voll neuer Verantwortungen, die im Angestelltenverhältnis in der Regel einfacher geregelt sind, z.B. Versicherungen, Buchhaltung, Steuer, Technische Problemlösung, Marketing, Akquise etc. Für all‘ das ist man nun – sofern man wie ich Solounternehmer ist – allein verantwortlich. Das kostet Zeit, Nerven und natürlich Geld.

Darüber sollte man sich im Klaren sein und sich immer wieder fragen, kann und will ich das? So lange die positiven Aspekte überwiegen, ist man auf dem richtigen Weg.

 

2. Selbstständigkeit heißt Veränderung

„Nichts ist so beständig wie der Wandel” (Heraklit von Ephesus)

Das war mir zu Beginn meiner Selbstständigkeit tatsächlich nicht so klar: Selbstständigkeit ist ein Prozess, der nie aufhört.

Das ist Herausforderung und Chance zu gleich. Denn nur durch die Einsicht, ich muss etwas verändern, mein Angebot ist nicht rund genug oder ich muss mich fokussieren, konnte ich die Weichen meiner Aktivitäten immer neu stellen. Ich habe mich immer weitergebildet, um zeitgemäß in meiner Kundenansprache zu sein, um den Bedürfnissen meiner Kunden gerecht zu werden und einfach, um meinen Horizont zu erweitern.

 

3. Selbstständigkeit ist nichts für Einzelkämpfer

Das mag auf den ersten Blick seltsam klingen, sind doch viele von uns Einzelunternehmer und oft allein mit sich im Office. Das ist auch so, aber darin liegt auch eine Gefahr: fehlen die Impulse von außen, entwickelt sich mitunter der Tunnelblick, mit dem man wenig wahrnimmt, was außerhalb des eigenen Business-Kosmos passiert. Man merkt dann häufig zu spät, dass man z.B. am Bedarf vorbei arbeitet, die Kundenansprache nicht optimal ist usw.

Vernetzung ist das A und O in der Selbstständigkeit und das nicht nur, um neue Kunden zu gewinnen. Viel wertvoller sind mir inzwischen die Kontakte, zu denen ich ganz offen sprechen kann, die mir dann und wann sagen, „Du kannst das besser machen – mach es mal anders“, die zu Mitstreitern geworden sind. Sie sind es, die mich weiterbringen und ich tue mein Bestes, das auch für sie zu sein.

Aber auch das private Netz ist unglaublich wichtig – als Netz und doppelter Boden. Denn wenn man sich, wie ich, mit zwei seinerzeit noch relativ jungen Kindern selbstständig macht, kann nicht ohne den Rückhalt von Betreuung, KiTa, Partner, Oma, Opa, Schwiegereltern, Nachbarn oder wer auch immer für den Fall der Fälle einspringt. Dann nämlich, wenn nichts mehr nach Plan läuft, ein krankes Kind liebevoll versorgt werden muss, die KiTa streikt oder sich andere kleinere oder größere Katastrophen anbahnen, das Business aber weiterlaufen muss.

4. Selbstständigkeit ist eine ständige Geduldsprobe

… und das fällt mir zugegebenermaßen häufig am schwersten. Ich gehöre ehrlicherweise zu den ungeduldigen Menschen, und es fällt mir schwer, zu warten – auf Antworten, auf Entscheidungen, auf Pakete usw. Doch das kennt jeder, der selbstständig ist sehr gut: vieles braucht Zeit.

Heute nach fünf Jahren Selbstständigkeit, gehen manche Dinge auf, die ich zu Beginn angestoßen habe, entwickeln sich Themen plötzlich in eine neue Richtung. Vielleicht, weil man bekannter ist, vielleicht aber auch, weil wichtige und gute Projekte einfach reifen müssen, wie guter Wein (oder auch Käse…).

 

5. Selbstständigkeit bedeutet nicht selbst und ständig

Das wollten mir schon viele engagierte Selbstständige weismachen: nur wer ständig arbeitet, entwickelt und aktiv ist, wird erfolgreich sein. Das mag eine gewisse Zeit so zutreffen, und gerade am Anfang der Selbstständigkeit ist viel Kraft und Ausdauer gefragt, um sich auf dem Markt präsentieren und behaupten zu können.

Es ist richtig, dass die Arbeit an einem Projekt, für das man lebt und brennt, einfacher von der Hand geht und man auch bereit ist, mehr daran zu arbeiten als vielleicht zu Angestelltenzeiten. Doch wer ständig über seine eigenen Kräfte lebt und arbeitet, erhält früher oder später die Quittung.  Hier früh Zeiten einzurichten, in denen das Business ruht und die eigenen Reserven aufgetankt werden können, ist gut beraten und länger gesund erfolgreich.


Wie sind Ihre Erfahrungen dazu, wenn Sie selbstständig sein sollten? Ich freue mich über Ihre Kommentare oder Nachrichten an info@hoffmannevent.de

 

 

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