Bereit für die Bühne – Teil 2

In meiner dreiteiligen Blogserie „Bereit für die Bühne“ geht es um Menschen auf der Bühne von Events. Um Redner und Rednerinnen, um Moderatoren und Moderatorinnen und um Veranstalter und Veranstalterinnen, die die zuvor genannten Experten und Expertinnen für ihre Events buchen.

Durch meine fast 20jährige Arbeit im Eventbereich habe ich auf Veranstalterseite mit vielen Vortragenden und Moderatoren zusammengearbeitet und habe natürlich auch selbst als Teilnehmerin vielen Speakern und Moderatoren zugehört. Seit fast 6 Jahren stehe ich zudem selbst mit meinen Themen als Speakerin auf Bühnen – es ist also an der Zeit, all meine Erfahrungen in diesen Beiträgen an Sie weiterzugeben.

Im ersten Teil, „Die Macht der Worte – gute Speaker und Moderatoren finden“, geht es darum, gute Speaker oder Moderatoren zu finden. Der zweite Teil, „Die Macht des Auftritts – Tipps für die Bühne“, enthält eine Sammlung von hilfreichen Tipps für Speaker und Moderatoren für ihre Bühnenpräsenz. Im dritten und letzten Teil der Serie, „Respektvoll und fair – wie Veranstalter und Speaker gut zusammen arbeiten“, zeige ich Ihnen, wie Veranstalter und Speaker zu einem guten und respektvollen Miteinander kommen.

Eines sei vorweg klargestellt: Zur besseren Lesbarkeit verwende ich in meinen Beiträgen dort, wo es keinen Alternativbegriff gibt, die männliche Form. Meine Ausführungen gelten gleichermaßen für das weibliche Geschlecht.

Teil 2: Die Macht des Auftritts – Tipps für die Bühne

Es gibt diese Menschen: Die betreten einen Raum und füllen ihn sofort mit ihrer Präsenz, jeder möchte sich mit dieser Person unterhalten, ihr zuhören und klebt förmlich an deren Lippen. Und genau diese Speaker gibt es, die kommen auf die Bühne und mit ihnen eine Aura, die bewirkt, dass wir diesen Speakern stundenlang zuhören könnten, selbst wenn sie über Mikrofasertücher in der Autowäsche referieren würden. Aber was ist es, das uns so anzieht und schier Raum und Zeit vergessen lassen? Und kann man das lernen?

Ich habe mir in meinen fast 20 Jahren im Eventbusiness einige Redner und Rednerinnen anschauen können und mir immer wieder diese Fragen gestellt. Denn unter den diversen Speakern waren auch etliche dabei, bei denen ich mit Verlaub gesagt fast eingeschlafen wäre, obwohl es um ein für mich spannendes Thema ging.

Zum Redner geboren?

Diese Frage stellen sich mit Sicherheit alle Menschen, die es in irgendeiner Weise auf die Bühne zieht oder die vor der Aufgabe stehen, Vorträge halten zu müssen. Hier streiten sich die Geister – ich meine aber nein, man wird nicht als brillanter Redner geboren. Jeder Mensch kann ein hervorragender Redner werden. Sicher haben es die eher extrovertierten Menschen etwas leichter, weil sie sich einfach schneller trauen, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen. Aber das alleine, macht noch keinen guten Speaker aus. Da gibt es weitaus mehr Faktoren, die für mich relevant sind, und einige habe ich in den folgenden Tipps für Speaker und Moderatoren zusammengestellt:

1. Kompetenz und Wissen

Haben Sie vor, Ihr Wissen auf der Bühne zu präsentieren, sollten Sie sich Ihrer Sache sehr sicher sein. Ein gesundes Halbwissen hilft zwar im Alltag häufig weiter, auf der Bühne sollte es um Expertenwissen gehen. Zum einen verleiht Ihnen die Gewissheit um das eigene Wissen die nötige Sicherheit, zum anderen fällt spätestens nach den ersten Fragen aus dem Publikum erfahrenen Zuhörern auf, wenn es hier mehr um heiße Luft als um Kompetenz geht.

2. Überzeugungskraft

Sich Wissen aneignen ist das Eine, Wissen überzeugend zu präsentieren eine andere Sache. „Man muss für sein Thema brennen“ hört man immer wieder, wenn es um Präsentation geht. Und genau so ist es: Stehen Sie als Speaker auf der Bühne, weil Sie dort einfach stehen müssen und Ihr Wissen weitergeben sollen – vielleicht, weil es Ihr Chef so möchte oder weil es als Selbstständige eben dazu gehört, Vorträge zu halten – geschieht dies mitunter ohne Leidenschaft. Sie ist aber die Basis, dass wir überzeugend wirken. Erst wenn ein Redner für sein Thema wirklich brennt, selber davon so begeistert ist, dass er es hinaus tragen möchte, kommt auch die Überzeugungskraft, die Zuhörer mitreißen kann.

3. Authentizität

Was bedeutet das eigentlich? Authentisch sein? Eine Rampensau bleibt eine Rampensau und leise Menschen dürfen auch auf der Bühne leise Menschen sein. Seien Sie echt auf der Bühne und verstellen Sie sich nicht. Versuchen Sie nicht, jemand anders zu sein, weil Sie meinen, dann besser „rüberzukommen“. Bleiben Sie sich treu in all Ihren Stärken und Schwächen. Nicht jeder Speaker springt auf und über die Bühne, gestikuliert wild und geht offen durch die Zuhörermenge. Auch introvertierte Redner können sehr gute Redner sein und die Zuhörer begeistern. Die Kunst besteht darin, die eigenen Stärken und Schwächen geschickt zu nutzen und wo es Sinn macht, in den Vortrag einzubauen.

4. Übung macht den Meister

Gerade wenn Sie am Anfang Ihrer Speakerkarriere stehen und die ersten Vorträge anstehen heißt es, üben, üben, üben. Ob Sie komplett frei sprechen oder sich ein Skript zurechtlegen, ist dabei erst einmal zweitrangig. Machen Sie sich mit Ihrem Vortragsthema eins und gehen Sie Ihren Vortrag immer wieder durch. Wenn Sie eine Präsentation erstellt haben, machen Sie „Trockenübungen“, das heißt, halten Sie im stillen Kämmerlein Ihren Vortrag – warum nicht auch vor einem Spiegel? Wenn Sie mögen, laden Sie ein paar Freunde und Bekannte oder Familienmitglieder ein, von denen Sie ehrliches Feedback bekommen können, und halten Ihren Vortrag. Ich selbst praktiziere auch heute noch nach einigen Jahren als Speakerin diese „Trockenübung“ und sie hilft mir ungemein, ein Gefühl für die Zeit und das Timing zu bekommen. Übrigens gibt es viele hervorragende Trainings, z.B. im Bereich Rhetorik oder auch Stimm- oder Präsentationstraining, die Sie auf Ihre Vorträge vorbereiten können. Es lohnt sich immer, hier ein bisschen Zeit zu investieren und sich von Profis für den Bühnenauftritt fit machen zu lassen.

5. Gut gebrieft ist halb gewonnen

Zur einer guten Vorbereitung gehört ein gutes Briefing seitens des Veranstalters. Lassen Sie sich ausführliche Informationen über die Veranstaltung geben: Worum geht es? Warum wurden Sie gebucht? Wer sind die Teilnehmenden? Nur damit erfahren Sie etwas über die Zielgruppe, die Sie erwartet, aber auch über die Erwartungen des Veranstalters an Sie. Die Voraussetzung dafür, dass Sie Ihren Vortrag genau auf Ihre Zuhörer ausrichten können. Das ist ein wichtiger Faktor, der gute Speaker ausmacht: Den Bezug und das Gespür zur Zielgruppe im Saal zu entwickeln und auf die Bühne zu bringen. Die Menschen, die Ihnen zuhören, fühlen sich ernst genommen und abgeholt.

6. Das Setting

Machen Sie sich vorab mit dem Setting der Veranstaltung und der Bühne vertraut. In welchem Rahmen findet die Veranstaltung statt? Wird es eine Bühne geben und wie wird sie aussehen? So können Sie sich bereits im Vorfeld gedanklich optimal vorbereiten und sich auf die Gegebenheiten vor Ort einstellen. Lassen Sie sich ruhig Informationen zu der farblichen Gestaltung der Bühne geben, so dass Sie Ihre Kleidung darauf abstimmen können. Wählen Sie für die Veranstaltung angemessene Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen. Bedenken Sie bei der Kleidungswahl, dass das Outfit nicht von Ihnen und Ihrem Vortrag ablenken soll. Weniger auffällig ist häufig besser.

7. Showtime!

Nehmen Sie sich auch am Veranstaltungstag genügend Zeit, um in Ruhe anzureisen und so rechtzeitig am Veranstaltungsort zu sein. So haben Sie die Gelegenheit, vor Ort kurze Technik- oder Ablauftests durchlaufen zu können. Machen Sie sich die Bühne zu eigen – sie ist Ihr Wohnzimmer für die Zeit Ihres Vortrags und Sie sollten sich auf ihr wohlfühlen. Sprechen Sie lieber vom Rednerpult aus, testen Sie von dort aus verschiedene Perspektiven ins Publikum hinein. Bewegen Sie sich frei auf der Bühne, laufen Sie die Bühne in ihrer ganzen Länge ab und spüren Sie, wo Ihr optimaler Punkt ist, an dem Sie gut gesehen werden, sie die Präsentation gut steuern und sehen können und Sie die Zuhörer gut im Blick haben.

Bevor Ihr Vortrag beginnt, sollten Sie Ruhe und Raum haben, um sich zu fokussieren. Suchen Sie sich eine ruhige Ecke, vielleicht haben Sie sogar einen Rednerbereich, in den Sie sich zurück ziehen können, und gehen Sie in Ruhe gedanklich noch einmal Ihren Vortrag durch. Stellen Sie sich die Situation auf der Bühne bildlich vor und stimmen Sie sich positiv ein: Jetzt ist Ihre Showtime! Sie sind top vorbereitet und sind Experte auf Ihrem Gebiet – Sie wissen also weitaus mehr darüber als die meisten Zuhörer im Publikum. Aufregung gehört zu einem guten Auftritt dazu und zeigt, dass Sie die Situation ernst nehmen. Atmen Sie tief und ruhig und genießen dann Ihren Auftritt.

Lesen Sie in Teil 3 meine Tipps für Veranstalter und Speaker, wie sie zu einem respektvollen und fairen Miteinander kommen.

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