Events mit Fußabdruck – nachhaltige Veranstaltungsplanung

Events mit Fußabdruck – nachhaltige Veranstaltungsplanung

Kaum etwas wird im Eventbereich so kontrovers diskutiert und beäugt wie das Thema „Green Events“, die sog. nachhaltige Veranstaltungsplanung. Die einen halten wenig davon, weil in ihren Augen „Bio“ und „Green“ nicht unbedingt mit spannenden und innovativen Eventideen zusammen passt. Andere folgen der Vermutung, dass der mögliche Aufwand im Vergleich zum erhofften Effekt in keinem vertretbaren Verhältnis steht. Und nicht zuletzt sorgen Beispiele für das sog. „Greenwashing“ für ausreichende Abschreckung, sich nicht mit diesem Thema beschäftigen zu müssen.

Nachhaltige Eventplanung bedeutet vor allem ein Umdenken bereits zu Beginn der Konzeption und umfasst drei Ebenen: Ökonomische Nachhaltigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Nachhaltigkeit. Berücksichtigt man diese drei Aspekte in der Eventplanung wird schnell klar, das hat nichts mit oberflächlichem „Ökogequatsche“ zu tun, sondern mit strategischem Handeln. Und das bedeutet in der Praxis vor allem Optionen abzuwägen. Was heißt das konkret?

Co²-Fußabdruck für Events

Das Hauptziel nachhaltiger Eventplanung ist die Reduzierung der CO²-Emissionen. Diese entstehen unweigerlich bei nahezu allen Schritten während der Vorbereitung, wie z.B. bei der Anreise der Teilnehmer oder der Logistik. Hier gilt es, Maßnahmen zu ergreifen, um den CO²-Fußabdruck des Events zu verringern. Ja, richtig gelesen: Auch für Events kann man einen Carbon-Footprint erstellen. Das ist zu Beginn empfehlenswert, um einen Ist-Zustand zu ermitteln und sollte im Laufe der Projektvorbereitung immer wieder aktualisiert werden (im Anschluss an diesen Beitrag sind entsprechende Links aufgeführt).

Handlungsfelder definieren

Der ressourcenschonende Einsatz von Materialien ist ebenfalls eines der Ziele nachhaltiger Eventplanung. Realisierbar z.B. im Bereich Papiereinsatz bei administrativen Aufgaben oder bei der Bereitstellung von Teilnehmerinformationen und natürlich im Energiebereich (Strom, Wasser etc.). Der Einsatz von Recycle-Elementen z.B. im Messebau zählt ebenso dazu.

Im Bereich Catering sollten lokale, nach biologischen Gesichtspunkten produzierende Lieferanten ausgewählt werden. Auch die Zahl an Dienstreisen zu Projektmeetings sollte so gering wie möglich gehalten werden und z.B. durch Telefon- oder Videokonferenzen ersetzt werden.

Sozialverträgliche Arbeitsbedingungen für sämtliche Dienstleister und Gewerke gehören ebenfalls in die Strategie nachhaltiger Veranstaltungsplanung. „Stagehands“ zu Dumpinglöhnen sollte es hier nicht geben.

Es gibt noch viele Beispiele, wie die entsprechenden Handlungsfelder definiert werden, an denen Veranstalter nachhaltiges Planung umsetzen können. Diese müssen passend zum Eventkonzept betrachtet werden.

„Greenwashing“ im Eventbereich?

Auch in der nachhaltigen Veranstaltungsplanung können mitunter CO²-Zertifikate zum Einsatz kommen. Was heißt das genau?

Vorrangig sollten zunächst alle, dem Veranstalter möglichen Schritte in der Eventplanung vorgenommen werden, um die CO²-Emissionen zu reduzieren. Es gibt jedoch Eventbeispiele, wo alle diese Maßnahmen nicht ausreichen werden, um einen möglichst klimaneutralen Carbon-Footprint für die Veranstaltung zu erreichen. Dies ist z.B. der Fall bei großen Kongressen mit Teilnehmern, die überwiegend aus dem Ausland und per Flugzeug anreisen. Das treibt auf der Seite der Mobilität den CO²-Wert der Veranstaltung derartig in die Höhe, dass dieser kaum durch die anderen Aktivitäten ausgeglichen werden kann. Dann, aber erst dann kann über den Erwerb von CO²-Zertifikaten ein Ausgleich geschaffen werden. Bei diesen Zertifikaten geht es um die finanzielle Unterstützung von möglichst ausgewählten und anerkannten Klimaschutzprogrammen.

Die Nutzung von CO²-Zertifikaten sollte wirklich immer der letzte Schritt in der nachhaltigen Veranstaltungsplanung sein, wenn alle anderen Handlungsoptionen bereits angewendet wurden. Überspringt man die nachhaltige Optimierung der anderen Handlungsfelder und nutzt gleich den Ausgleich durch CO²-Zertifikaten, sitzt man bereits in der „Greenwashing“-Falle.

Hier geht’s weiter!

An dieser Stelle einige ausgewählte Links zur ersten Orientierung, wenn Sie als Veranstalter erstmalig an die nachhaltige Veranstaltungsplanung gehen:

CO²-Rechner für Veranstaltungen: http://www.gcb.de/de/green-neu/co2-rechner

Green-Meetings Anbieterdatenbank, Quelle: http://www.gcb.de/de/green-neu/gruene-anbieter

Experten-Netzwerk „Green Guides“ zum Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen, spezielle Angebote auch für Meetings & Events: http://green-guides.de/

Weitere Links zu Studien und Leitfäden: http://www.gcb.de/de/green-neu/studien-und-links

 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Matthias L.

    Sehr interessanter Artikel. Jede Veranstaltungsplanung ist mit Mühen und Kosten verbunden, wird aber oft nicht im Hinblick auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit ausgerichet. Oftmals reichen schon kleine Abweichungen von den üblichen Vorgehensweisen. Punkte wie das Catering von regionalen Lieferanten zu beziehen, Tagungsräume oder -zentren nach verkehrsgünstigen Gesichtspunkten zu wählen (nahe des Hauptbahnhofs z. B.)und auf Unmengen Papiernotizen oder gleiches zu verzichten bewirken schon eine Menge. Aus eigener Erfahrung (arbeite bei einem großen Münchner UN und bin für die Veranstaltungsplanung zuständig)hilft es auch, etwas Zeit zu investieren und richtige Partner zu suchen, also wir z. B. arbeiten jetzt schon Jahre mit dem Tagnungszentrum http://www.we-tagung-muenchen.de/ zusammen und profitieren von deren Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit und vor allem aus ihrer jahrelangen Erfahrung.

    Hoffentlich gibt es ein baldiges Umdenken bei vielen Firmen.

    Beste Grüße

    1. Vielen Dank für Ihr Feedback und Ihre Erfahrung zu diesem Thema! In der Tat setzt sich so langsam das Umdenken ein, nichtzuletzt weil viele große Unternehmen inzwischen nachweisen müssen, welche Maßnahmen sie im Bereich Nachhaltigkeit anwenden. Das muss dann zwangsläufig auch in die Live-Kommunikation reichen. Eine gute Entwicklung, aber wir stehen noch immer am Anfang!
      Beste Grüße,
      Kerstin Hoffmann-Wagner

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