Digitalisierung braucht Menschen – mein Rückblick auf den #DigiDay17

Bisher habe ich vor allem im Anschluss an BarCamps den einen oder anderen Eventrückblick geschrieben. Aber diese Veranstaltung hat es wirklich verdient, hier eine Ausnahme zu machen: der „Digital and Innovation Day 2017“, kurz #DigiDay17, zu dem das German Convention Bureau GCB am 7. Dezember nach Frankfurt geladen hatte. Es ging um Digitalisierung und um die Eventbranche und darum, wie sich beides praxisnah realisieren lässt.

Organisation – der Krise getrotzt

Die Veranstaltung war hervorragend geplant und organisiert. Und selbst ein handfestes Problem in der vorhergehenden Organisation  (treue Leser wissen, dass ich gerade beim Umgang mit Eventkrisen genau hinschaue…), wurde mit Bravour und ohne Tamtam bewältigt. Die ursprünglich für diesen Event vorgesehene Location wurde baulich nicht rechtzeitig zum Termin fertiggestellt. Nachdem eine passende Alternative gefunden wurde – und das war bei den Anforderungen für dieses Programm sicher keine leichte Aufgabe – gab es in einem kurzen Video mit der Organisatorin und einer Vertreterin der ursprünglichen Location ein offenes und ehrliches Statement: wir sind nicht fertig geworden, Lösung ist gefunden, hier ist die neue Location. Mehr ist nicht dazu zu sagen, aber auch nicht weniger. Gut gemacht.

Mit dem Westhafen Tower in Frankfurt war sicher nicht die optimalste Lösung gefunden, aber eine ungewöhnliche und inspirierende allemal. Und letztlich vergessen Teilnehmer kleinere Probleme sehr schnell, wenn man aus dem 16. Stockwerk einen beeindruckenden Rundumblick auf Frankfurt bei strahlendem Wetter geliefert bekommt. Und wer wollte, konnte sich angeregt durch den Moderator bei einheimischen Teilnehmern aufklären lassen, warum der Tower auch liebevoll das „Gerippte“ genannt wird. Wer jetzt noch ahnungslos ist, dem helfe ich gerne weiter….

Programm 1 – Keynotes & Co.

Hier zeigte sich die professionelle Herangehensweise der Planer an die Veranstaltung: es ging nicht nur um die Präsentation von schicken digitalen Komponenten, die kaum ein Veranstalter in der Praxis einsetzt. Der Event stand vielmehr unter dem Fokus „Was macht Digitalisierung mit uns und wie verändert sie unser Arbeiten?“.

Das spiegelte sich vor allem in den – erwähnenswert: ausschließlich weiblich besetzen – Keynotes wider. Katharina Hochfeld  (Fraunhofer IAO) zeigte in ihrem Vortrag „Unternehmenskultur 4.0“, warum wir eine neue Art der Unternehmenskultur benötigen, um die Chancen von Digitalisierung erfolgreich in den Unternehmen zu nutzen zu können. Silke Hoersch (Ungerboeck) zeigte in ihrer Keynote „Die Customer Journey Experience – jeder Touchpoint zum Kunden zählt“, dass es auf einen ganz bewussten Einsatz digitaler Komponenten ankommt, die sich immer am Kunden und seinen Bedürfnissen orientieren – weg von der Markenorientiertheit hin zur Kundenorientiertheit, eben auch digital. Letztlich setzte Sabine Sauer (Design Offices) als letzte Spaekerin des Tages eine große Klammer um den Event mit ihren Vorstellungen der „Arbeitswelt von morgen – New Work braucht neue Arbeitslandschaften“. Darin attestierte sie den Weggang von klassischen Raumlösungen für Unternehmen hin zu flexibleren, offeneren und kreativitätsfördernden Bürokonzepten. Die Werbung für die eigene Location, gleichzeitig auch Abendlocation, war selbstverständlich nicht zu übersehen.

Programm 2 – Praxis und Pitches

Dass das Thema Digitalisierung nicht abstrakt und abgehoben blieb, dafür sorgten gleich zu Beginn der Veranstaltung interessante Praxisbeispiele, wie Digitalisierung in der Praxis funktionieren kann. Vertreter der Deutschen Lufthansa,  Deutsche Bahn Digital Ventures GmbH oder auch der IMEX Group boten den Blick über den Tellerrand hinaus.

Leuchtturmprojekte aus der MICE-Branche zeigten sehr praxisnahe Beispiele aus den Bereichen Virtual Reality (Leipzig Tourismus u. Marketing GmbH), 360°Präsentationen (Congress Center Hamburg CCH) oder auch Corporate Blogs (Messe München). Gemeinsames Fazit dieser Runde: Digitalisierung erfordert Mut und die Bereitschaft, einfach anzufangen und mal zu machen.

Beispiele für digitale Lösungen bot der Science-Slam, in dem sich EventMobi, MATE for Events sowie Spacebase mit ihren Lösungen im Pecha-Kucha-Format (20 Slides in jeweils 20 Sekunden) präsentierten. Nach 6 Min. 40 Sek. Redezeit wurde die Präsentation vom Moderator gnadenlos beendet. Hier zeigte sich, wer gut vorbereitet war. Den Pitch gewinnen konnte übrigens Spacebase durch das Publikumsvoting via dem Interaktionstool Slido.

„Druckbetankung“ an Praxis brachten vier Workshops am Nachmittag, die sogenannten Experience Labs. Hier ging es um „Influencer Marketing im MICE-Bereich“ (Florian Bauhuber, Tourismuszukunft), „GO LIVE – Echtzeitkommunikation rund um Ihr Event“ (Günter Exel, Tourismuszukunft), „Von der Customer zur Content Journey“ (Sybille Milka-Böhm u. Thorsten Habermann, Accor) sowie „Event Design mittels Visualisierung Thinking“ (Gerrit Jessen, MCI).

Die letztgenannte Session besuchte ich, und während Gerrit Jessen die Teilnehmer in die Eventkonzeption mittels #EventsCanvas einweihte, einer sehr kreativen und auf Visualisierung beruhenden Konzeptmethode, wurde vollends klar: trotz aller digitalen Möglichkeiten, wir planen Veranstaltungen für Menschen und müssen dafür wissen, womit sie sich beschäftigen. Gerrit Jessen war es auch, der die Arbeit mit Events auf den Punkt brachte:

„Wenn Events kein Verhalten ändern, dann sind wir im Entertainment“
Gerrit Jessen am 7.12.2017 beim #DigiDay17

Fazit

Vor meinem Fazit noch ein paar kleine Anmerkungen bzw. Anregungen für den nächsten #DigiDay18: für die Leuchtturmbeispiele wären ein paar Vertreter aus dem Bereich Veranstalter/Eventplaner interessant gewesen. So waren ausschließlich Venues vertreten. Weniger Anglizismen tun jedem Event gut, Digitalisierung bedeutet nicht zwangsläufig die Adaption englischer Hipster Vokabeln bis ins letzte Detail. Und bei vier parallel stattfindenden Workshops wäre eine Ausschilderung zu den Räumen hilfreich.

Letztlich war es aber doch eine rundum gelungene Veranstaltung, die stringent die Digitalisierung auch für ihre eigene Eventkommunikation, z.B. mit Live-Interviews im Web genutzt hat.

https://twitter.com/GCB_Deutschland

 

 

Auch während des Events wurde durch eine gekonnte Positionierung des Hashtags #DigiDay17 und eine Twitterwall zum Twittern und Posten animiert. Anreiz zum Mitmachen stellte sicher auch das Küren des „Influencer of the day“ dar (s. links).

Für die Interaktion mit den Teilnehmern, um auch während der Vorträge Fragen stellen oder über die o.g. Science Slam abstimmen zu können, wurde das Tool Slido eingesetzt – sehr smart und einfach für den Teilnehmer zu bedienen.

 

 

 

Nicht unerwähnt bleiben sollte die hervorragende Moderation von Michael Heipel, der sich mit seiner zugewandten und kompetenten Art sicher für weitere Projekte empfohlen hat.

Ich jedenfalls nehme überraschend viele Impulse und Anregungen aus dem #DigiDay17 mit in meinen Alltag. Meine zwei Hauptlearnings des Tages: immer wieder einfach mal zu machen, anstatt lange hin und hier zu überlegen und zu diskutieren. Und es geht um nichts anderes als um Menschen in unserem Eventgeschäft – Digitalisierung stellt hier nur ein Vehikel dar zur Unterstützung.

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