Eventcafé – heute Messe-Expertin Spomenka Kolar-Zovko

Eventcafé – heute Messe-Expertin Spomenka Kolar-Zovko

In meinem EVENTCAFÉ treffe ich Expertinnen und Experten ihres Fachs, die ich zu verschiedenen Eventthemen befrage.


Spomenka Kolar-Zovko ist Inhaberin der Akademie escolar, mit Sitz in Darmstadt, ein Bildungsanbieter und Marketingberater für alle, die in der Messebranche, der Eventbranche, dem nationalen oder internationalem Messebusiness, der Live-Kommunikation oder im B2B/B2C Marketing tätig sind. Seit 1991 war Spomenka in wechselnden Positionen im Vertrieb tätig, ehe sie sich 1997 selbstständig gemacht hat, mit Schwerpunkt Service- und Markenberatung für die Dienstleistungs- und Investitionsgüterbranche. Seit 2018 gibt es die Akademie escolar auch in Wuhan in China. Spomenka ist verheiratet und Mutter von einem erwachsenen Sohn.

Kerstin Hoffmann-Wagner: Du bist schon viele Jahre im Vertrieb und in der Markenberatung unterwegs. Wann und wie hast Du das Thema Messe für Dich entdeckt?

Spomenka Kolar-Zovko: Ich habe mit meinem damaligen Arbeitgeber (DB-Soft AG) auf der CeBIT, Orgatech und Systems ausgestellt. Dabei ist mir klar geworden, dass globale erfolgreiche Expansion im B2B Bereich über Messen wunderbar funktioniert. Besonders wenn das Standteam professionell agiert.

Was fasziniert Dich gerade an Messen in Bezug auf Marketing?

Dass Kommunikationsaustausch, Netzwerken und Business möglich gemacht werden. Regelmäßig erlebe ich, dass Kulturen – die zu Hause nicht miteinander sprechen – auf Messen Geschäfte abschließen. Sogar nach dem 11. September ging das Business für alle Leute weiter, egal welcher Religion sie angehörten.

Wenn Du auf Deine Zeit zurückschaust, in der Du Dich mit Messen beschäftigst – was sind für Dich die größten Veränderungen oder Entwicklungen gewesen?

Ein Quantensprung in der Markenpräsentation war, weg von den reinen Produktpräsentationen hin zu Markenerlebnissen. Das ist eine Entwicklung, die in der Industrie länger gedauert hat als in der Konsumgüterbranche, aber diese ist vollzogen.

Spannend war auch, wie Unternehmen die Sozialen Netzwerke für sich entdeckt haben.

Heute befinden wir uns in einer Extremsituation, an die zu Beginn dieses Jahres niemand zu denken gewagt hätte: Die Corona-Pandemie bestimmt seit gut drei Monaten unser Leben, unseren beruflichen Alltag, aber auch und das in gravierender Form, das Messegeschehen. Zahlreiche Messen wurden abgesagt oder auf das kommende Jahr verschoben, im Oktober soll unter strengen Corona-Auflagen und in verkleinerter Form die Buchmesse in Frankfurt stattfinden. Wie schätzt Du diese Entwicklung für die Messebranche ein? Wird sie nachhaltig Schaden nehmen oder gibt es vielleicht auch die eine oder andere Entwicklungschance für die Messewirtschaft?

Durch die Corona-Pandemie musste in kürzester Zeit ein Umdenken stattfinden. Für viele Innovationen ist dies eine Gelegenheit schneller realisiert zu werden und wir sehen eine große Chance darin. Mein Akademie escolar Team und ich freuen uns auf die bevorstehenden Entwicklungen und sind bereit mit unseren TeilnehmerInnen und Kunden durchzustarten.

Du bietest mit der Akademie escolar ein hochwertiges Bildungsprogramm für die Messe- und Eventbranche an, bisher vor allem in Form von physischen Seminaren in Euren Akademieräumen oder vor Ort bei Kunden. Wie hat sich Euer Seminargeschäft durch Corona verändert und wie bewertest Du die Perspektiven für das Seminargeschäft?

Live-Online-Seminare oder Live-Online-Coachings bieten wir seit 2009 an – weltweit. Seit zwei Monaten erleben wir eine steigende Akzeptanz – sich online weiterzubilden – auch bei unseren deutschen Kunden.

Das Seminarprogramm haben wir auch an die Erwartungen unserer Kunden angepasst. Beratung und Coaching für virtuelle Veranstaltungen laufen zur Zeit sehr gut.

Derzeit kann man einen unglaublichen Anstieg an Online-Alternativen im Event-, aber auch Seminarbereich beobachten. Viele Veranstaltungen werden in kürzester Zeit von offline auf online gestellt, viele Firmen lassen sich virtuelle Messestände für virtuelle Messen gestalten. Wie beurteilst Du das Thema virtuelle Messen: Wird der virtuelle Weg die physische Begegnung künftig ersetzen und Unternehmen stärker auf Online-Messe setzen?

Hybride Veranstaltungen wären schon vor der Corona Krise wünschenswert gewesen. Allerdings ist das ein Thema, das bei uns in Deutschland nicht die Priorität hatte. Jetzt haben Unternehmen den Leidensdruck, ihre Innovationen zu verkaufen, die sie ehemals als Aussteller auf Messen vermarktet haben. Die Kreativität ist jetzt bei jedem einzelnen Unternehmen gefragt. Denn auch hier gilt: Jedes Unternehmen sollte seinen eigenen MIX an Maßnahmen finden. Und hier gilt – wie auch bei einem guten Messekonzept – erst die Ziele und Zielgruppe definieren und dann die Maßnahmen festlegen. Bei manchen Unternehmen kann eine virtuelle Messe sinnvoll sein, bei anderen eigenen sich Webinaren oder ganz andere Lösungen, um die Absatzziele zu erreichen.

Was aber fehlt ist eine global umfassende Plattform für Innovationen und Matchmaking – das ist eine dringlich fehlende Innovation für Unternehmen um sich zu vernetzten. Der persönliche Kontakt auf neutralem Boden, ist und bleibt wichtig für Geschäftsleute und es wird diesen auch in Zukunft wieder geben.

Der große Vorteil von Messen für Unternehmen liegt ja in der persönlichen Begegnung. Du beschäftigst Dich auch innerhalb der Messebranche mit dem Thema Begegnung und Vernetzung und warst 2019 neben dem Messemagazin m+a report die Initiatorin des #Meetexpo Club. Worum geht es dabei und welche Ziele verfolgt Ihr mit dieser Plattform?

Aussteller sind in der Regel nicht besonders vernetzt mit anderen Ausstellern. Dabei können Sie unglaublich viel voneinander lernen. Unser Anliegen ist es Aussteller zusammen zu bringen, um sich über aktuelle Themen auszutauschen, kostenfrei und neutral. Das ist uns gelungen. Der MeetExpoClub wird so stark angenommen und die Teilnehmer haben viele Themen, die sie besprechen und diskutieren und ein besonderer Mehrwert ist das gegenseitige, branchenübergreifende Netzwerken. Wir sind sehr froh, dass Messemacher unter sich uns vertrauen und wir Gastgeber und Initiator dieser Plattform sein dürfen. Deshalb planen wir auch wieder ein Präsensmeeting am 22. September 2020.

Wenn wir über Netzwerke sprechen, möchte ich gerne mit Dir auch über Diversität, speziell über Frauen in der Messebranche sprechen. Gerade in der derzeitigen Situation und den vielen virtuellen Veranstaltungen fällt wieder auf, wie wenige Frauen zu aktuellen Themen der Messe- und Eventbranche befragt und auf den Podien zu finden sind. Was würdest Du Dir als eine der sichtbaren Frauen der Messewelt für die Branche wünschen?

Frauen, traut Euch und macht Euch sichtbar und bitte stellt Euer Licht nicht unter den Scheffel.

Und was Frauen sich in der Gemeinschaft vornehmen müssen ist, mehr Unterstützung untereinander. Ein Bespiel: wenn Sie für eine Firmenveranstaltung einen Fachvortrag planen und einen Redner/Rednerin benötigen, im Zweifel sich auch für eine Frau entscheiden.

Wenn es um Veranstaltungen geht arbeiten hauptsächlich Frauen in den Teams. Das ist großartig und ich wünsche mir, dass unsere Teilnehmerinnen sich auch trauen, darüber zu sprechen, andere Frauen zu supporten und sich mit anderen Frauen aus der Branche sich zu vernetzen.

Wenn heute Nachwuchskräfte in die Messebranche starten: Was würdest Du ihnen aus Deiner Erfahrung mit auf den Weg geben? Was sind für Dich die drei wichtigsten Tipps?

Kommunikation und Menschen zusammenbringen ist etwas Schönes, was Dein Leben sinnvoll machen kann. Ich habe so vielen Menschen und Unternehmen geholfen sich professionell – aber trotzdem authentisch, also mit seiner eigenen DNA – zu präsentieren. Daran zehre ich auch heute in den schwierigen Corona Zeiten. Diese Zufriedenheit erfüllt mich und gibt mir Kraft.

Was würde ich empfehlen

  1. Lerne Chinesisch und/oder Programmieren.
  2. Schaue Sciences Fiktion und sei eine Visionärin /ein Visionär.
  3. Liebe die Menschen!

Vielen Dank für das Interview, liebe Spomenka!

Liebe Kerstin, Du bist eine tolle Frau und kannst für viele von uns ein Vorbild sein. Ich freue mich, dass Du mich ausgesucht hast und ich wünsche mir für die Zukunft schöne Projekte mit Dir. Danke!

Herzlichen Dank, liebe Spomenka!


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