T.: +49 (0) 61 08 79 08 93 | Email: info@hoffmannevent.de
Eventcafé – heute mit Andrea Engler und Axel Schiel von showpaket

Eventcafé – heute mit Andrea Engler und Axel Schiel von showpaket

Eventcafe

In meinem EVENTCAFÉ treffe ich Expertinnen und Experten ihres Fachs, die ich zu verschiedenen Eventthemen befrage.

 

showpaket_im_Eventcafe

Heute mit: mit Axel Schiel und Andrea Engler von Showpaket – Entertainer und Macher von inklusiven Events

Andrea Engler gehört zu den besten Artistinnen der Welt. Nach ihrer Ausbildung in der Schule für Ballett und Artistik in Berlin folgten Engagements im Wintergarten Varieté oder auch im Friedrichsbau Varieté in Stuttgart. Im Ausland konnte man sie in Shows in den USA, in Dubai und im europäischen Ausland sehen. Gemeinsam mit Axel Schiel bildet sie die Agentur Showpaket, die neben klassischen Entertainment-Programmen und Projekten auch Kulturprojekte für Gehörlose und Hörende anbietet.

Axel Schiel – oder auch Axel S., startete 2002 seine Profikarriere als Jongleur, Moderator, Conférencier und Kindertheater-Macher. Als Künstler hatte er bereits viele Engagements im Friedrichsbau Varieté Stuttgart oder in den GOP-Varietés in Hannover, Essen und Münster sowie im Cabaret du Casino Monte Carlo. Seine langjährige Erfahrung im Künstlerbusiness gibt er als Berater anderen Künstlern weiter und hat 2011 das Angebot von Showpaket um das Künstlermanagement erweitert. 2008 gründete er gemeinsam mit Andrea Engler die Veranstaltungsagentur Showpaket.

Beide leben und arbeiten in der Nähe von Mainz.

K. Hoffmann-Wagner: Eure Agentur Showpaket kenne ich bereits länger, aber im vergangenen Herbst habe ich Euch bei der Locations Messe in Hanau mit Eurem sehr spannenden Vortrag von einer neuen Seite erlebt: Ihr gestaltet inklusive Events. Was genau verbirgt sich dahinter?

Andrea Engler: Barrierefreie Eventlocations, Mobiliar, Equipment uvm., um Events mit Rampen für Rollstuhlfahrer usw. auszustatten gibt es ja bereits. Wir kümmern uns um das, was auf der Bühne passiert. Beispielsweise statten wir Programme mit Gebärdensprachdolmetschern und/oder Übertiteln aus, damit das gesprochene Wort auch für gehörlose und schwerhörige Menschen erlebbar ist. Damit blinde Gäste an Programmen teilhaben können, erweitern wir die Konzepte um Bildbeschreibungen, die – teilweise spontan – eingesprochen werden und per Kopfhörer für einzelne Personen oder über die Saalanlage für alle hörbar sind.

Axel Schiel: Unser Anspruch dabei ist, dass Dolmetscher, die Gebärdensprache Bildbeschreibungen usw. integrale Bestandteile der Programme werden – und das auf unterhaltsame Weise. Die Besucher sollen sich auch an diese Veranstaltungsinhalte nachhaltig positiv erinnern.

Wie kam es dazu, dass Ihr neben Eurem künstlerischen Engagement mit Showkonzepten für Gehörlose und Hörende begonnen habt?

Axel Schiel: Grundlegend hat mich Gebärdensprache schon immer fasziniert. Wenn ich gesehen habe, wie sich Gehörlose unterhalten, habe ich interessiert zugesehen. Vor zwei Jahren wurden in unserem Bürogebäude (das Showpaket-Büro befindet sich im Innovationszentrum TIGZ) DGS*-Kurse angeboten. Unser gesamtes Team hat sich angemeldet und daran teilgenommen. Durch die Kurse haben wir erste Kontakte zu Tauben und der Gehörlosenkultur aufgebaut.

Eine DGS*-Lehrerin (Barbara Rott) ist selbst häufig im Rahmen von Kleinkunstshows mit Gebärdensprachpoesie aufgetreten. Da wir auch ein Kleinkunstprojekt betreuen (www.achterbahnshow.de) entstand die Idee, diese Veranstaltungsreihe auch für Gehörlose erlebbar zu machen. Im Dezember 2013 präsentierten wir, gemeinsam mit Barbara Rott, die erste Show mit zweisprachiger Moderation (Deutsch & DGS), Gebärdensprachdolmetschern und hörenden, sowie gehörlosen Gästen.

*DGS=Deutsche Gebärdensprache

Wie sieht ein inklusiver Event, den Ihr gestaltet, aus? Wie bindet Ihr unterschiedliche Elemente für Gehörlose und Hörende ein?

Axel Schiel: Vorstellen kann man sich diese Veranstaltungen, wie Events mit internationalen Gästen, bei denen in die jeweils andere Sprache übersetzt (simultan gedolmetscht) wird. Als Abwechslung zu den Reden setzen wir visuelle Showacts ein, da diese von allen Gästen gleichermaßen erlebt werden können. Wenn auch blinde Besucher erwartet werden, wählen wir Künstler aus, die sowohl akustisch, als auch visuell begeistern (Beispiel: Der Xylophon-Comedian Dirk Scheffel spielt virtuos und rasend schnell auf seinem Instrument und verstärkt diesen Effekt durch Lichteffekte in den Klöppeln).

Das Besondere an unserer Arbeit ist, dass wir zusätzlich – ganz bewusst – auf die inklusiven Maßnahmen eingehen. Beispielsweise erwarten wir von jedem Geschäftsführer, dass er zumindest die ersten Worte seiner Begrüßung auch in Deutscher Gebärdensprache (DGS) wiedergibt. Ganz automatisch geht es dann in den weiteren Grußworten auch darum, wie es für den Chef war, die Sätze in DGS auswendig zu lernen. Dies macht Inklusion zur Chefsache und ermöglicht es, bei Veranstaltungen sehr offen mit den Fragen „warum? wieso? weshalb?“ umzugehen:

  • „… ich begrüße unsere gehörlosen Mitarbeiter hier vorne. Ich hoffe, dass wir Ihre Plätze so gewählt haben, dass sie alle eine hervorragende Sicht auf den Gebärdensprachdolmetscher haben.“
  • „… damit sich auch alle blinden Gäste wohlfühlen, kündige ich Ihnen weitere Redner nicht nur mit Namen an, sondern ich beschreibe auch, wie sie aussehen.“

Wo liegen die Schwierigkeiten – oder sagen wir Herausforderungen – in einem solchen Konzept?

Axel Schiel: Mein persönlicher Eindruck ist, dass sich viele Unternehmen „nur“ an Inklusion beteiligen, um eine Quote zu erfüllen. Die Haltung gegenüber Mitarbeitern mit Behinderung unterscheidet sich allerdings leider gegenüber der zu den übrigen Angestellten. Man ist freundlich zu diesen Personen, schätzt jedoch die Wertigkeit des Mitarbeiters und seiner Arbeit als geringer ein. Dies ergibt ein Unternehmens-Image, bei dem die „erfolgreiche Firma“, um sich sozial zu engagieren, „Menschen mit Behinderung“ einen Job gibt, um damit etwas Gutes zu tun.

Die Grundlage unserer inklusiven Veranstaltungskonzepte basiert darauf, allen Gästen auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Damit dies authentisch geschieht, sind manchmal bewusstseinsbildende Maßnahmen notwenig (Beispiel: Chef lernt einen Teil seiner Rede in Gebärdensprache), für die sich nicht jeder Veranstalter die Zeit nehmen möchte.

Andrea Engler: Die zusätzlichen Kosten für die inklusive Gestaltung von Programmen halten sich übrigens im Rahmen. Im Vergleich ist es in der Regel teurer, ein Buffet mit vegetarischen und/oder veganen Speisen auszustatten.

Stoßt Ihr damit auf offene Eventplaner oder müsst Ihr erst einmal Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit leisten?

Andrea Engler: Vielen ist bei der Veranstaltungsplanung überhaupt nicht bewusst, dass ihr Event auch von Gehörlosen, Blinden, Rollstuhlfahrern … besucht wird. Meistens rennen wir allerdings offene Türen ein, wenn wir in der Planungsphase darauf hinweisen und Lösungsvorschläge anbieten.

Das Thema Inklusion findet aus meiner Erfahrung bei der Planung von Events bis jetzt kaum Beachtung. Was muss passieren, damit Barrierefreiheit und Inklusion mehr thematisiert und irgendwann zu ganz normalen Bereichen in der Eventkonzeption werden?

Axel Schiel: Zunächst einmal wünsche ich mir, dass „Inklusion“ so selbstverständlich wird, dass wir nicht mehr dieses eigenartige Wort dafür benötigen. … und genau das ist auch meine Antwort auf deine Frage: „Selbstverständlichkeit“ ist nötig, damit barrierefreie Maßnahmen zur standartmäßigen Checkliste von Eventmanagern gehören.

Derzeit kämpfen die Gehörlosen in Hessen dafür, dass die Deutsche Gebärdensprache als Fremdsprache im hessischen Schulsystem anerkannt wird. Ich unterstütze diesen Wunsch und bin fest davon überzeugt, dass es solche Forderungen sind, die für künftige Selbstverständlichkeiten sorgen.

Was sollten Eventplaner berücksichtigen, wenn sie das Thema Inklusion in die Konzeption einer Veranstaltung einbinden möchten? Wie wird ein Event inklusiv?

Andrea Engler: Ganz einfach! – Ein Eventplaner sollte sich einfach in alle Besucher der Veranstaltung hineinversetzen und überlegen „was benötigen diese Personen um ein schönes Event zu erleben“.

Seit 1999 bietet Ihr mit dem Kleinkunstformat „Achterbahn“ Künstlern, die neu im Geschäft sind, ein Forum, um sich auszuprobieren und Bühnenerfahrungen zu sammeln. Was ist das Besondere an Achterbahn?

Axel Schiel: Unter dem Lable „Achterbahn“ verbirgt sich unsere Veranstaltungsreihe für Erwachsene (Varieté und Kleinkunst) und Kinder (Theater und Musik). Hier sind wir Veranstalter und Künstlerischer Leiter in einem und können vollkommen frei gestalten. Auf diese Weise nutzen wir die Achterbahn, um Newcomer kennenzulernen, neue Shows zu testen und Konzepte zu erproben.

Im Gegensatz zu unserer Arbeit bei Showpaket steht hier kein Auftrag eines Kunden, sondern unsere eigenen Ideen und Anspruch im Mittelpunkt. Geld verdienen spielt hier keine Rolle.

Im Dezember 2014 gab es eine echte Premiere: mit „Achterbahn TV – Kulturtalk für alle“ habt Ihr Euch an das klassische Talkshowformat herangewagt mit der Besonderheit, dass die Sendung barrierefrei war. Das heißt, dass sie gleichermaßen an Hörende und Sehende, an Gehörlose, Schwerhörige und Blinde gerichtet war. Die Pilotsendung wurde auf Rhein-Main-TV gesendet. Welche Herausforderungen musstet Ihr auf dem Weg zur fertigen Sendung meistern?

Andrea Engler: Achterbahn TV war ein so umfangreiches Projekt, hierüber könnten wir viele Seiten schreiben. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass wir für diese inklusive Talkshow Fernsehen komplett neu denken mussten. Während bei bekannten Sendungen während Gesprächen das Publikum und andere Talkgäste per Schnitt zu sehen sind, ist dies bei Gebärdensprache nicht möglich. Wir haben lange herumgetüftelt, bis wir mit den Kameraeinstellungen zufrieden waren.

Die Zusammenarbeit mit den gehörlosen, schwerhörigen und blinden Gästen stellte übrigens keine besondere Herausforderung dar. Diese verlief genauso, wie mit Hörenden und Sehenden auch.

Die am häufigsten gestellten Fragen zu Achterbahn TV haben wir hier beantwortet: http://www.achterbahnshow.de/achterbahn-tv/faq/

Wird es eine Fortsetzung von „Achterbahn TV“ geben?

Beide: Ja, wir arbeiten daran!

Auf was freut Ihr Euch in der nächsten Zeit am meisten?

Beide: Johanna, unsere Auszubildende hat ihren Führerschein bestanden – das ist toll! Ansonsten stehen in nächster Zeit zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen von Firmenevents an, das macht uns immer großen Spaß.

Ich danke Euch sehr für dieses Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen