Eventcafe – heute mit Karin Wolffrom Gründerin der Catering Guides

In meinem EVENTCAFÉ treffe ich Expertinnen und Experten ihres Fachs, die ich zu verschiedenen Eventthemen befrage.

 

Karin Wolffrom, Gründerin und Inhaberin von Catering Guides

Karin Wolffrom ist studierte Kongress- und Messemanagerin und gründete 2009 mit Catering Guides eine Plattform, die vernetzt und Informationen zum Thema Catering bündelt. Nachdem sie mehr als 10 Jahre im Eventmanagement gearbeitet hat, hat sie damit ihren beruflichen Schwerpunkt ganz auf das Thema Eventcatering gelegt. 2015 kam bei den Catering Guides mit der Kategorie „Green Catering“ der Aspekt Nachhaltigkeit im Catering hinzu. Sie lebt und arbeitet in Hamburg.

K. Hoffmann-Wagner: Du kommst aus dem klassischen Eventmanagement und hast dort auch viele Jahre gearbeitet. Wie bist Du darauf gekommen, eine Plattform mit dem Schwerpunkt auf Catering zu gründen?

Karin Wolffrom: Wie so oft bei Startup Unternehmen war es auch bei uns eine Aneinanderkettung von Zufällen, die zur Idee geführt haben. Ich bin Eventmanagerin, mein damaliger Partner war Informatiker. Irgendwann haben wir festgestellt, dass es zwar sehr gute Portale gibt die die Bereiche Locations und Eventservices abdecken, dass es aber kein Portal gab, das sich dem Thema „Catering“ vollumfänglich gewidmet hat. Somit haben wir im September 2009 den Catering Guide gegründet und damit auch den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Hattest Du bei der Gründung Unterstützung, z.B. für die Technik? Und wie bist Du heute aufgestellt?

Da mein früherer Partner Informatiker war, hat er sich um die Programmierung der Seite gekümmert, während ich die Kundenkommunikation, den Vertrieb und das Marketing übernommen habe. Heute arbeite ich mit einer web-Agentur zusammen, die mich im technischen Bereich unterstützt.

Wie kann man als Cateringunternehmen in die Catering Guides aufgenommen werden? Nach welchen Kriterien entscheidest Du?

Da wir uns über die Einträge finanzieren und von einem Provisionsmodell absehen möchten, wird bei Vertragsabschluss eine Jahresgebühr fällig. Je nachdem wie man sich im Catering Guide präsentieren möchte, liegt diese in einer Preisspanne von ca. 180 bis 500 Euro pro Jahr. In diesem Betrag inbegriffen ist dann der Eintrag im Catering Guide sowie ein Großteil unserer redaktionellen Tätigkeit, die bei uns stark im Fokus liegt. Aufnahmekriterien sind für mich Professionalität und Zuverlässigkeit. Ansonsten ist mir vor allem die Vielfalt und Vielseitigkeit der Anbieter wichtig. Wir möchten im Catering Guide sowohl die Branchenvertreter präsentieren wie auch diejenigen Cateringdienstleister, die sich auf ein bestimmtes Produkt oder auf eine Cateringform spezialisiert haben. Ob Streetfood Catering, Foodtrucks, Kaffeecatering, Fingerfood, Nachhaltigkeit, gehobene Gastronomie oder Metzgereien — wichtig ist mir dass sich alle Anbieter aus den unterschiedlichsten Bereichen bei uns gut aufgehoben fühlen, sodass auch wir der Branche einen guten Überblick über die regionalen Anbieter geben können.

Was macht für Dich persönlich ein gelungenes Cateringkonzept z.B. für einen Firmenevent aus?

Wichtig ist für mich vor allem, dass die Caterer möglichst umfangreiche Informationen vom Kunden erhalten, sodass das Catering in das Veranstaltungskonzept integriert werden kann. Veranstaltungsort, Uhrzeit, Gästestruktur, wieviel Zeit ist für das Buffet oder Menü eingeplant, um welche Art der Veranstaltung handelt es sich? Aber auch Informationen zur Location und Infrastruktur dürfen nicht vernachlässigt werden — nichts ist wichtiger als die Information, ob bei einem mehrstöckigen Gebäude ein Fahrstuhl vorhanden ist oder wie die Küche vor Ort ausgestattet ist. Erhält der Caterer all diese Informationen, kann das Catering perfekt auf die Veranstaltung abgestimmt und in das Konzept integriert werden. Ein perfektes Catering macht für mich somit nicht nur die Art der Speisen aus die serviert werden, sondern auch, dass man sich mit der Veranstaltung und den Gästen auseinandersetzt. Für eine Tagung empfehle ich beispielsweise ein leichtes Buffet mit vitaminreicher und ausgewogener Ernährung, Fingerfood passt perfekt zu Stehempfängen und Loungebestuhlung, ein Grillcatering zu einer entspannten Sommerveranstaltung und ein mehrgängiges Menü zu einer Galaveranstaltung.

Adressen von Cateringanbietern herauszufinden ist heutzutage nicht mehr schwer. Auf was sollten Veranstalter bei der Anbieterauswahl achten, wenn Sie einen Caterer für ihre Veranstaltung suchen? Kannst Du zwei bis drei Tipps für die Suche geben?

Wichtig ist vor allem, dass Kunde und Caterer eine offene Kommunikation führen. Der Cateringpartner sollte vom Angebot zur Veranstaltung passen, aber auch im Budgetrahmen liegen und die Werte des Kunden verstehen und transportieren. Erst wenn das alles stimmig ist, hat man den richtigen Partner für das Event gefunden.

Hat sich für Dich die Cateringbranche in den letzten 5-10 Jahren verändert? Wenn ja, wie?

Früher haben wir uns oft mit einem einfachen Plattencatering zufrieden gegeben. Buffets mussten reichhaltig sein, die Quantität stand vor der Qualität. Heute sind die Konsumenten vielseitiger und anspruchsvoller geworden, darauf haben natürlich auch die Caterer reagiert. Vegetarier und Veganer sind bei jedem Event zu finden, sodass zumindest eine vegetarische Alternative bereits fester Bestandteil von jedem Buffet ist. Doch auch das Bewusstsein für die Lebensmittel seitens der Konsumenten hat zu einem Umdenken beim Einkauf geführt. Regionalität und Nachhaltigkeit spielen eine wichtige Rolle und viele Kunden sind heute dazu bereit einen höheren Preis für das Catering zu zahlen, damit auf regionale Produkte zurück gegriffen werden kann. Dafür verzichten viele heute gerne auf die Flugananas oder -mango. Auch Streetfood wird immer mehr ins Catering integriert. Auch das Ineinandergreifen von Catering und Veranstaltung ist mehr oder weniger neu. Dekoration und Catering werden aufeinander abgestimmt, die Speisen passend zum Veranstaltungsmotto ausgewählt… und nicht zuletzt wird der Beruf des Kochs wieder mehr wertgeschätzt, sodass wir es endlich geschafft haben, die Qualität vor die Quantität zu stellen.

 

 

 

Welche Trends im Catering sind für Dich gerade zu erkennen und auch für Veranstalter relevant?

Seit einigen Jahren prägt das Streetfood das Cateringangebot. Den Startschuss dafür haben sicherlich die Foodtrucks gegeben, doch auch klassische Caterer integrieren immer häufiger Streetfood Angebote in ihr Buffet.

Weiterhin ist zu erkennen, dass wir uns in einer Zeit befinden, in der sich die Konsumenten mehr mit dem Endprodukt auseinander setzten. Das „schnelle Fastfood“ ist Vergangenheit, Mahlzeiten werden bewußt zu uns genommen. Und so wird auch beim Catering nachgefragt, wo die Produkte herkommen. Auf Events interessieren sich die Kunden für die Speisen die serviert werden. Somit sind vor allem Frontcooking Stationen beliebt und werden immer häufiger eingesetzt. Hier kann sich der Konsument über das Angebot informieren und dem Koch auch den ein oder anderen Tipp für die Zubereitung abschnacken. Nebenbei haben sie auch noch das Erlebnisgefühl dabei. Eine gut gemachte Livecooking-Station bleibt lange in Erinnerung und ist damit eine Aufwertung der Veranstaltung.

Ein weiterer Trend ist sicherlich auch das nachhaltige Angebot, wobei man hier schon gar nicht mehr von „Trend“ reden kann. Trends kommen und gehen, werden durch andere ersetzt. Nachhaltigkeit, ist in der Eventbranche angekommen und nicht mehr weg zu denken. Und dabei geht es nicht nur um einen regionalen und möglichst biologischen Einkauf der Waren, sondern auch um den bewussten und schonenden Umgang mit den Ressourcen.

Und last but not least finden wir auch die Digitalisierung in der Cateringbranche wieder. Einfaches Catering kann bereits problemlos über online-shops bestellt werden. Einige Caterer haben diesen Prozess so weit professionalisiert, dass sie das Catering per Post verschicken können. Hier glaube ich, dass es noch viele weitere Entwicklungen in der Branche geben wird und wir uns erst am Anfang befinden.

Nachhaltigkeit spielt für Dich und die Catering Guides eine große Rolle. Wie bist Du darauf gekommen, hier eine eigene Kategorie auf Deiner Plattform anzubieten, und nach welchen Kriterien wählst Du hier aus, wer gelistet wird?

Wir haben die Kategorie „Green Catering“ im Januar 2015 online gestellt. Davor hatten wir Jürgen May kennen gelernt. Er ist Experte für Nachhaltigkeit in der Event-, Messe- und Meetingbranche. Gemeinsam sind wir auf die Idee gekommen, die Kategorie „Green Catering“ zu gründen, um mehr Transparenz in die Branche zu bringen. Herr May entwickelte einen Kriterienkatalog für uns, der über 80 Aspekte beinhaltet, die wir bei unseren Kunden abfragen. Das geht über Beschaffung von Lebensmittel über Nutzung von Ressourcen bis hin zu Personalplanung und dem Nachweis eines Umweltbeauftragten im Unternehmen. Nur wer mindestens 80% dieser Aspekte erfüllt, wird bei uns auch in der Kategorie „Green Catering“ aufgenommen.

Können sich Cateringanbieter heute überhaupt noch leisten, nicht nachhaltig zu arbeiten und ihr Angebot entsprechend nachhaltig auszurichten?

Nachhaltigkeit gewinnt in der Branche immer mehr an Bedeutung. Dennoch sollte man nicht außer acht lassen, dass Nachhaltigkeit auch ihren Preis hat. Nachhaltige Angebote können oft dem Preisdruck nicht standhalten, den wir heute in der Eventbranche haben.  Somit sind nachhaltige Angebote dann von Bedeutung, wenn sie vom Kunden auch verlangt werden. Wir müssen uns aber an dieser Stelle nichts vormachen — es gibt noch sehr viele Betriebe, bei denen das Thema Nachhaltigkeit nicht an erster Stelle steht und die auch nicht dazu bereit sind, dafür mehr Geld auf den Tisch zu legen. Aus diesem Grund finde ich es auch wichtig, dass wir weiterhin beide Angebote auf dem Markt haben, auch wenn zu erkennen ist, dass sich viele Caterer immer mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander setzten und sich in einer Phase der Umstrukturierung befinden.

Wie wird sich Deiner Meinung nach die Cateringbranche in den nächsten Jahren entwickeln?

Das Bewusstsein für gutes Essen spielt in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle. Nahrungszufuhr ist kein bloßer „Sattmacher“ mehr, sondern eine bewußte  Auseinandersetzung mit den Produkten und Speisen, die uns serviert werden. Somit freue ich mich auf die Weiterentwicklung der Branche, in der neue Ideen zugelassen und aufgenommen werden und dazu führen, dass sich der Wandel zur bewussteren Ernährung immer weiter entwickelt. Ob im Getränkebereich wie beim Kaffeecatering, Cocktailcatering oder der Auswahl an Weinen oder eben bei den Speisen — wir legen immer mehr Wert auf Qualität, das ist (erfreulicherweise) sicher nicht mehr rückgängig zu machen. Das sollten auch die Cateringanbieter nicht außer acht lassen bei der Gestaltung ihrer Angebote und strategischen Ausrichtung des Unternehmens.

Auf was freust Du Dich in nächster Zeit am meisten? 

Am meisten freue ich mich tatsächlich, dass sich die Cateringbranche so positiv in den letzten Jahren entwickelt hat. Catering wurde früher als letztes Rad in der Eventplanung dann noch schnell untergebracht, weil Gäste ja schließlich auch satt gemacht werden müssen. Heute ist es eines der ersten Punkte an das gedacht wird, wodurch das Catering einen ganz neuen Stellenwert in der Branche erhalten hat. Dies natürlich immer nur, wenn die Cateringdienstleister auch dementsprechend agieren und dazu bereit sind, selber mit viel Kreativität und Einfallsreichtum auf den Kunden und das Event einzugehen. Und dies ist meiner Meinung nach eine Entwicklung, die positiv aufgenommen werden sollte.

Vielen Dank, liebe Karin, für dieses Interview!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.