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Eventcafé – heute mit Thorben Grosser von EventMobi

Eventcafé – heute mit Thorben Grosser von EventMobi

EventcafeIn meinem EVENTCAFÉ treffe ich Expertinnen und Experten ihres Fachs, die ich zu verschiedenen Eventthemen befrage.

 

ThorbenGrosser

Heute mit: Thorben Grosser – General Manager Europe bei EventMobi

Als studierter Event Manager hat Thorben Grosser verschiedene kulturelle Non-Profit-Events geplant sowie bei internationalen Filmfestivals gearbeitet, einschließlich Edinburgh, Berlin und Venedig. Es folgten verschiedene Jobs im Eventmanagement. Während seiner Studienzeit in Schottland hat er als Assistent an dem Buch “Event Marketing” beim Verlag Wiley&Sons gearbeitet. Seit 2012 ist Thorben Grosser als General Manager für die europäischen Marktaktivitäten des EventApp-Entwicklers EventMobi tätig. Er lebt und arbeitet in Berlin.

K. Hoffmann-Wagner: Gleich zu Beginn erstmal eine ganz einfach Frage an Dich: wie kommt ein klassischer Eventmanager dazu, sich mit der Entwicklung von Event-Apps zu beschäftigen?

Thorben Grosser: Das war im Prinzip eine sehr einfache Entscheidung. Ich habe mir als Kind bereits selbst das Programmieren beigebracht und würde sagen, dass ich immer schon ein Technologie-Nerd war. In meiner Freizeit und später im Studium habe ich dann eigentlich immer nur Events organisiert. So haben diese beiden Voraussetzungen das Feld rund um das Thema Event-Apps eigentlich perfekt gemacht. Daher kam dann der Titel meiner Abschlussarbeit – Event Apps, gekommen um zu bleiben –, über welche ich bei EventMobi gelandet bin.

In der Vorbereitung der Fragen fiel mir beim Blick auf die Website von EventMobi folgende Aussage ins Auge: „Wir sind nicht nur Technologie-Fans und Programmierer – wir sind genauso auch Veranstaltungsplaner und Teilnehmer.“ Was muss für Dich eine Event-App mitbringen, um Veranstaltungsplaner und Teilnehmer gleichermaßen zu begeistern?

Uns liegt bei EventMobi wahnsinnig viel dran, dass unsere Kunden nicht nur mit irgendwelchen Vertrieblern reden, sondern Profis am Telefon haben, die verstehen, worauf es ankommt, wenn man eine Veranstaltung betreut. Die Anforderungen von Nutzer und Veranstalter sind dabei unterschiedlich, haben aber eine Gemeinsamkeit: Einfachheit.

Veranstaltungsplaner sind oft eierlegende Wollmilchsäue, die alles können und alles machen – daher muss ein Tool auch dem Anspruch gerecht werden und schnell und intuitiv zu Resultaten führen. Weg mit Programmierung, weg mit Excel-Listen und weg mit komplizierten Systemen, hin zu einer zeitsparenden und effizienten Benutzerführung.

Für Teilnehmer sieht die Sache anders aus – hier sind oft Interaktion und Information Schlüsselfaktoren. Dabei geht es darum, mit möglichst wenigen Klicks möglichst schnell alles rauszufinden, was es zu wissen gibt: Referenten, Programm, Anreise und so weiter. Daneben werden Teilnehmer aber auch immer anspruchsvoller. Wir sehen das auf Vorträgen: Teilnehmer wünschen Interaktion und sogar ein Mitspracherecht bei Veranstaltungen. Wenn man diese Beteiligung, zum Beispiel mit Abstimmungen oder Spiele-Elementen in der Veranstaltung, ermöglicht, erlaubt das Teilnehmern, sich besser mit der Veranstaltung zu identifizieren.

Wie bringt Ihr technisch die mitunter doch sehr unterschiedlichen Anforderungen von Eventplanern und Eventteilnehmern unter einen Hut?

Wir fangen da beim kleinsten gemeinsamen Nenner an: Planer und Teilnehmer wollen beide eine gute Veranstaltung, also ermöglichen wir genau das. Wie wir das schaffen, unterscheidet sich für Planer und Teilnehmer natürlich schon. Aber auch hier gibt es eine Gemeinsamkeit: Einfachheit.

Das bedeutet für Teilnehmer ein Tool, das einfach zu benutzen ist, und für Planer eines das leicht zu verwalten ist. Teilnehmer werden immer anspruchsvoller und wollen immer mehr in immer kürzerer Zeit lernen und netzwerken – also schaffen wir Tools, die das erlauben: Live-Voting, Q&A, interaktive Schnitzeljagden, all dies unterstützt die Veranstaltungsziele. Für den Planer kommt dazu, dass Messbarkeit der Resultate ermöglicht wird, Stichwort Return On Investment (ROI). Und hier schaffen wir mit Nutzungsstatstiken eine Möglichkeit, den ROI sichtbar zu machen. Durch das Schalten von Anzeigen, Push-Nachrichten und incentivierte Standbesuche kann man dann auch noch die Sponsoren glücklich machen.

Ist jede Art von Event für den Einsatz von Event-Apps geeignet oder gibt es Ausnahmen, wo Du nur bedingt den Einsatz empfehlen würdest?

Wir sehen das eigentlich für fast jede Veranstaltung als sinnvoll an, die in irgendeiner Form Papier an Teilnehmer geben würde. Ob das jetzt ein Boardmeeting mit 30 Teilnehmern oder eine Publikumsmesse mit 200.000 Teilnehmern ist, ist dort egal – Zeit und Kosten werden so oder so gespart. Größere Veranstaltungen profitieren allerdings noch einmal dazu, dadurch dass wir Tools liefern, mit denen es problemlos möglich ist, dass 15.000 Teilnehmer sich individuell zu Wort melden, ohne dass Chaos ausbricht – das gab es vorher noch nicht so.

Eine einzige Ausnahme sind, immer noch, Musikfestivals. Zwar bieten viele Festivals eine App an – aber realistisch gesehen ist das Smartphone nach der ersten Nacht platt. Bis wir wieder Handys haben, bei denen Batterien 12 Tage halten, dauert es noch ein bisschen – da vermisse selbst ich mein altes Nokia 3210.

Ihr bietet als Entwickler von individuellen Event-Apps je nach Bedarf Eurer Kunden verschiedene Tools an, von der Registrierung über Befragung- und Abstimmung bis zur Eventanalyse. Welche Tools werden am häufigsten von Eventplanern eingesetzt?

Hier ist es wichtig, dass wir mit den Planern zusammen arbeiten und Klarheit erlangen, was der Planer genau braucht. Als gemeinsamer Nenner kommt hier der Programmablauf an erste Stelle – Agenda, Referenten, Sponsoren, Teilnehmer und so weiter. Das wird immer eingesetzt.

An zweiter Stelle ganz groß natürlich die interaktiven Funktionen, so wie Ted-Abstimmung, Frage & Antworten, Gamification (Schnitzeljagd). Planer lieben daneben die Nutzungsstatistiken, weil hier lassen sich Informationen über Events rauslesen, die kein Teilnehmer in Worte fassen könnte.

Und für Teilnehmer das Networking und die Personalisierbarkeit: Meine eigene Agenda, mit meinen Terminen.

Sind Event-Apps durch die entstehenden Kosten nicht eher etwas für die „Big spender“, die großen Eventveranstalter? Oder wann ist die Technologie auch für kleinere Events lohnend?

Das ist so ein Gerücht. Als wir damals anfingen, kosteten die meisten Event-Apps 15.000 – 30.000 Euro pro Veranstaltung. Das sowas nur bei Big Spendern geht ist klar. Uns war aber auch nie klar, wie man so viel Geld verlangen kann – und wir haben von Anfang an Lösungen geschaffen, die erschwinglich sind, und haben mittlerweile ein Preismodell, welches sogar Veranstaltungen mit 20 Teilnehmern bestens bedienen kann. Wir reden hier von ein paar hundert Euro als Startbudget für kleine Events.

Die eine Facette von Event-Apps ist die technische Machbarkeit. Eine weitere Facette sehe ich in den zusätzlichen oder sich ändernden Anforderungen an den Eventmanager. Ich denke da z.B. an Probleme bei der App-Betreuung am Veranstaltungstag selber mit dem Einpflegen von Raum- und Programmänderungen, der Verknüpfung der App mit Hinweis-Monitoren oder auch auf die zeitnahe Reaktion auf Teilnehmeraktivitäten – habe ich leider schon selbst erlebt… Wie bereitet Ihr Eure Kunden auf den Einsatz ihrer Event-App vor?

Das ist tatsächlich eines der Kernstücke unseres Angebotes – unser Support. Unsere Supportmitarbeiter haben über 7000 Veranstaltungen mitbetreut, viele sind selbst Eventplaner und durchlaufen ein hartes Training, um unseren Kunden zu zeigen, mit welchen Tipps und Tricks eine App genutzt werden kann, ohne dass der Kunde einen Mehraufwand hat.

Daneben ist es natürlich wichtig, eine Plattform zu haben, die von sich aus mit minimaler Anweisung auskommt. Und genau das haben wir geschaffen. Dieser Mix aus Erfahrung und Technologie macht das Ganze eigentlich zu einer recht einfachen Sache. Sollten Kunden dennoch Zweifel haben, senden wir auch gerne Mitarbeiter mit vor Ort.

Mal etwas philosophisch gefragt: wenn man den Einsatz und die Nutzung von Event-Apps als Teil der digitalen Transformation im Eventbereich sieht, welche Veränderungen ergeben sich daraus für die Eventwelt in naher Zukunft?

Die Eventwelt schließt langsam aber sicher die Lücke zwischen der Papiergeneration und der iPhone-Generation – und das ist auch gut so, weil selbst die Papiergeneration nutzt iPhones.

Das Herz von Meetings, nämlich die Idee, dass Menschen in persona auf Menschen treffen, gemeinsam lernen und erfahren, wird hierbei nicht angetastet. Vielmehr erlaubt diese Technologie, effizienter zu sein und sich mehr auf diese Kernerfahrung zu fokussieren. Immer mehr Meeting-Formate – ein immer populäreres Thema – greifen auf Technologie zurück.

Zusätzlich können wir hierdurch selbst Teilnehmer, die nicht vor Ort sein können, mit einbinden. Hybride oder Remote-Meetings können auf einmal mitprofitieren von verschiedenen Vor-Ort-Elementen. Ich meine, stellen Sie sich das mal vor: Ein Konzernchef befragt auf einer Übertragung der Neujahrsansprache nicht nur die Mitarbeiter der Zentrale, sondern alle Konzernmitarbeiter weltweit. In Echtzeit. Ist doch super.

Was war für Dich das spannendste Projekt bisher?

Die spannendsten Projekte sind für mich die, bei denen der Kunde genau weiß, was er will und mit eigenen Ideen kommt, die App für Zwecke zu nutzen, für die sie überhaupt nicht gedacht ist.

Eine große Hotelkette hatte eine Tagung in Berlin, bei der mehr als 400 Hotel-Direktoren aus ganz Europa drei Tage Zeit hatten, um neue Strategien zu besprechen, neue Guidelines umzusetzen und vor allem den ganzen Konzern durch bessere Vernetzung zu stärken. Und die App sollte dabei instrumental sein. Dabei mussten wir mit dem Kunden die verschiedenen Ziele runterbrechen, genau verstehen wie wir in diesem Umfeld zu den einzelnen Zielen beisteuern und wie wir das so umsetzen, dass es passt. Das brachte schon Spaß, weil die einfach alles haben wollten, und es musste gut sein. Der Kunde hatte nachher alles drin, vom Programm, über Netzwerk-Spiele bis hin zu Live-Abstimmungen über die Musik. Und das auf speziell vorbereiteten iPads.

Daneben freuen wir uns natürlich immer wieder, wenn bekannte Menschen unsere Apps nutzen, darin auftauchen oder erwähnen, egal ob Altkanzler, Kanzlerin oder das Weiße Haus – das macht einen immer etwas ehrfürchtig.

Auf was freust Du Dich in der nächsten Zeit am meisten?

Ich freu mich immer total auf unsere Event-Reihe Praxisfrühstück: das sind immer fünf Tage, an denen man viel Zeit mit den hellsten Köpfen unserer Branche verbringt – Leuten die echt was drauf haben. Und für mich auch ein Weg Deutschland endlich mal kennen zu lernen, ich bin ja nicht wirklich hier aufgewachsen. Privat freu ich mich auf den Januar – mit Freundin und Eltern Ski fahren. Der letzte Urlaub ist zu lang her.

Ich danke Dir sehr für das Gespräch, lieber Thorben!

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