Good pitch, bad pitch – raus aus der Pitchmisere!

Good pitch, bad pitch – raus aus der Pitchmisere!

  • Beitrags-Kategorie:Eventmarketing

Pitchkultur

Mittlerweile hat der Streit um unfaire Pitchpraktiken von Unternehmen gegenüber Eventagenturen so an Fahrt aufgenommen, dass ich mitunter nur noch den Kopf schütteln kann.

Mit konstruktiver Lösungssuche hat das für mich nur noch wenig zu tun. Aber zunächst einen Schritt zurück.

Was bisher geschah…

Kurz für die Nicht-Insider, worum es im Streit um Pitchkultur, wie das Thema nun auch gerne benannt wird, geht:

Unternehmen wollen von einer Eventagentur ein Eventprojekt realisieren lassen. Hierfür schreibt sie das Projekt aus, verschiedene Agenturen können sich um den Auftrag bewerben und reichen dafür ihre Ideen in Form von Konzepten ein.

Die Erstellung solcher Konzepte, die Arbeiten daran mit Recherchen, Plänen, Renderings etc. kosten mitunter viel Zeit und Geld. Die Agentur möchte verständlicherweise wenigstens einen Teil dieses Aufwandes entschädigt bekommen, vor allem, wenn sie den Zuschlag für das Projekt nicht erhält. Auf Unternehmensseite werden bisher nicht von allen diese sog. Pitchhonorare oder nur ein kleiner, nennen wir es symbolischer Obolus an die Agenturen gezahlt. Daran entzündet sich nun der eigentliche Streit in der Branche.

Good pitches, bad pitches!

Es wird inzwischen recht hitzig argumentiert, auf diversen Internetkanälen öffentlich in „foul“ und „good pitches“ unterteilt und nicht mehr davor zurückgeschreckt, Unternehmen namentlich zu benennen, die offenbar unfaire Pitch-, also Ausschreibungspraktiken anwenden. Was versprechen sich die Initiatoren solcher Aktionen? Forciert man mit öffentlichem Anprangern wirklich das Einsehen solcher frevelhaft agierender Unternehmen?

Im Gegenteil. Die eigene Branche leidet darunter. Sie dreht sich im Kreis und findet doch nicht den Ausweg aus der Misere. Auf diese Art und Weise wird sich kaum ein Unternehmen bewegen lassen, seine bisherigen Pitchpraktiken zu überdenken.

Raus aus der Misere – aber wie?

Gibt es ein Patentrezept? Sicher nicht. Aber es gibt einen alten Spruch, in dem seit jeher ein Funken Wahrheit steckte: Gut Ding will Weile haben. Es gibt inzwischen einige Agenturen, die von vorne herein unbezahlte Pitches ablehnen. Richtig so und Respekt für diese Konsequenz! Das ist ein Weg, langsam aber sicher einen Wandel herbei zuführen.

Ein weiterer Weg ist zu schauen, warum sich die Ausschreibungspraktiken in den Unternehmen verändert haben und darauf entsprechend zu reagieren. Leider ist es heute so, dass auch kreative Dienstleistungen häufig durch einen zentralen Einkauf ausgeschrieben werden, man aber Ausschreibungen für Ideen und Konzepte nicht mit dem Einkauf von Büromaterial vergleichen kann. Im übrigen stehen die meisten Eventverantwortlichen in den Unternehmen dieser Einkaufspraxis ebenfalls sehr skeptisch gegenüber, können im Einzelfall aber häufig nichts ändern.

Was bedeutet ein Sich-Anpassen an die veränderten Einkaufspraktiken der Unternehmen für Agenturen? Es gibt nichts ohne Geld, was Geld kostet. Will heißen, ab dem Moment, wo die Agentur Zeit und Geld in die Hand nehmen muss, läuft das Taxameter. Und das muss dem anfragenden Unternehmen VOR Teilnahme am Pitchverfahren mitgeteilt werden.

Auch ein gestaffeltes Verfahren seitens der Agentur wäre denkbar. Für wenig Geld gibt ein ein grobes Konzept ohne viele Details, quasi als Teaser. Will das Unternehmen mehr sehen, muss es dafür zahlen, und es geht in die nächste Runde. Aber das muss im Vorfeld genauso kommuniziert werden. Das bedeutet aber auch in der Folge, lässt sich das Unternehmen nicht darauf ein, nimmt die Agentur nicht an dem unbezahlten Pitch teil.

Konsequenz zahlt sich aus!

Daran führt in meinen Augen kein Weg vorbei und nur so regulieren sich Märkte: Keine Teilnahme an unbezahlten Pitches durch die Agenturen, wenn diese es nicht wollen. Nur wenn viele Agenturen so konsequent sind, kann sich auf seiten der Unternehmen etwas bewegen. Denn die Auswahl an guten Agenturen wird auf diesem Wege schmaler. Wenn sich eine Agentur doch für die Teilnahme ohne Pitchhonorar entscheidet, so sei es. Jeder entscheidet selbst.

Nur Jammern und Stöhnen darüber, wie schlecht vieles läuft, bringt uns in der Sache nicht einen Millimeter weiter. Oder wie Thomas Alva Edison, ein amerikanischer Erfinder, es treffend formulierte:

„Es gibt eine Möglichkeit, es besser zu machen – finde sie!“

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Helge Thomas

    danke! das ist der klügste beitrag zu diesem thema, den ich bisher gelesen oder gehört habe.

    1. Lieber Helge Thomas,
      vielen Dank! Das Feedback freut und ehrt mich, gerade weil auch ich mitunter nahezu fassungslos bin, was ich zu diesem Thema derzeit so alles lese…

  2. Helge Thomas

    http://proevent.net/von-und-mit-pro-event/ein-oeffentliches-konzept/

    so haben wir im letzten jahr mal gemacht. wohlgemerkt ohne zum pitch eingeladen zu sein. es hat mich einfach zu sehr gereizt, mal gegen den strom zu schwimmen. hat uns immerhin zur prime-time in die online-ausgabe der w&v und die klassischen werber zu jeder menge abfälliger kommentare gebracht. also ich war mehr als zufrieden mit der wirkung 😉

    1. Kompliment zu diesem neuen Weg! Genauso meinte ich das in meinem Beitrag: Ideen anteasen, Appetit auf mehr machen und gemeinsam weiterentwickeln!

  3. Stimme Ihnen völlig zu, liebe Frau Hoffmann-Wagner, „Jammern hilft nicht.“ und konsequente Ablehnung unfairer Pitch-Angebote wäre ein richtiger Weg. Leider gibt es in unserer Dienstleistungsbranche zunehmend Kolleginnen und Kollegen, denen offensichtlich das Wasser schon so dicht am Hals steht, dass sie sich wie die Lemminge auf jeden Pitch stürzen, und seien die Konditionen noch so unfair. Das macht unsere Pitch-Kultur kaputt und deswegen widerspreche ich Ihnen und halte das öffentliche Anprangern unfairer Werbetreibender (http://pitchblog.de) für durchaus hilfreich.

    1. Hallo Herr Wiehrdt
      vielen Dank für Ihren Kommentar und sicher ist es so, wie Sie schreiben, dass viele Kollegen aus der Dienstleistungsbranche aus der Not an derartigen Pitches teilnehmen. Dennoch bezweifele ich, dass das öffentliche Anprangern auf Unternehmens-/Kundenseite langfristig ein großes Einsehen bringen wird. Aus meiner Erfahrung sehe ich, dass das unfaire Verhalten oft im Druck innerhalb des Unternehmens begründet ist, der dann schlichtweg weitergereicht wird – keine Entschuldigung und keinesfall begrüßenswert. Aber das zeigt, dass sich im Unternehmen Vorgehensweisen grundlegend ändern müssen. Sehr schwieriger Weg mitunter…. 😉
      Beste Grüße,
      Kerstin Hoffmann-Wagner

Schreibe einen Kommentar