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Eventcafé – mit Heike Schäfer Beraterin für Sustainable Events

Eventcafé – mit Heike Schäfer Beraterin für Sustainable Events

Eventcafe

In meinem EVENTCAFÉ treffe ich Expertinnen und Experten ihres Fachs, die ich zu verschiedenen Eventthemen befrage.

 

Heike Schäfer im Eventcafe

Heike Schäfer, Freelancerin für Veranstaltungsmangement und Beraterin für Sustainable Events

Heike Schäfer arbeitet als freiberufliche Projektleiterin für Veranstaltungen und ist als Beraterin für die Planung und Organisation von Sustainable Events tätig. Durch ihre Weiterbildung zur Nachhaltigkeitsberaterin bietet sie ihren Kunden fundiertes Wissen rund um Veranstaltungsplanung an. Heike Schäfer lebt und arbeitet in München.

K. Hoffmann-Wagner: Wir haben uns vor längerer Zeit auf einer Konferenz zum Thema Werte kennengelernt. Welche Werte sind für Dich in Deiner Arbeit im Eventbereich wichtig?

Heike Schäfer: Für mich sind Ehrlichkeit, Loyalität und Langfristigkeit bei meinen Projekten und Investitionen besonders wichtig. Natürlich auch Effizienz – und damit auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit allen verwendeten Ressourcen.

Wie haben sich diese Werte, sagen wir in den letzten 10 Jahren, im Veranstaltungsbereich verändert?

Effizienz war immer schon von größter Bedeutung. Denn bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen sind die knappesten Ressourcen meistens Zeit und Geld. Nachhaltigkeit bedeutet aber noch mehr, das Zusammenspiel von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Und hier wird seit einigen Jahren insbesondere bei den Mitarbeitern besser „aufgepasst“. Statt sie durch langanhaltende Überbelastung zu „verheizen“, wird mehr auf die Work-Life-Balance geachtet, es gibt zum Teil Anti-Burnout-Maßnahmen und erfreulicherweise immer mehr flexible Arbeitszeit- und -ortmodelle.

Seit einiger Zeit konzentrierst Du Dich in Deiner Arbeit als Projektleiterin und Beraterin auf das Thema Nachhaltigkeit im Veranstaltungsmanagement und hast Dich u.a. zum Internen Auditor ISO-Norm 20121 weiterbilden lassen. Aus Deiner Erfahrung: wie nachhaltig sind Meetings und Events in Deutschland 2015?

Ich denke, dass hier der große Durchbruch immer noch aussteht. Besonders wichtig bei der Betrachtung dieses Themas ist, nicht nur an Grün und Sozial zu denken, sondern auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Veranstaltung zu berücksichtigen.

Ich stelle in meiner eigenen Arbeit immer wieder fest, dass nachhaltige Veranstaltungsplanung gerade bei Firmen entweder eine untergeordnete Rolle spielt und nur in Teilaspekten umgesetzt wird oder gar nicht berücksichtigt wird. Wie ist Dein Eindruck hierzu?

Da kann ich dir leider nur zustimmen. Vereinzelt setzen Firmen Nachhaltigkeit im Veranstaltungsbereich um. Der Großteil äußert jedoch lediglich ein grundsätzliches Interesse, wenn man sie auf dieses Thema anspricht. Die meisten Unternehmen haben immer noch andere, dringendere Prioritäten. Entscheidend ist in aller Regel, dass auf Chefebene eine hohe Eigenmotivation für dieses Thema vorhanden ist. Dann hat Nachhaltigkeit eine sehr gute Chance, kontinuierlich in allen Firmenbereichen und somit auch im Veranstaltungsmanagement umgesetzt zu werden.

Welche Rolle spielt dabei das Thema Weiterbildung von Eventprofessionals? Ist überhaupt genügend Knowhow im Bereich Nachhaltigkeit in den Eventabteilungen oder –agenturen vorhanden, um hier entsprechend konsequent und professionell zu planen?

Know-How zu nachhaltigem Veranstaltungsmanagement ist noch Mangelware. Hierzu gibt es in Deutschland zwar inzwischen erfreulicherweise viele Fort- und Weiterbildungsangebote und auch Agenturen, die beratend und begleitend zur Seite stehen. Ob diese Angebote genutzt werden und ob dafür Geld ausgegeben wird, hängt aber wieder entscheidend von den Grundsätzen der Firma ab – nämlich wie wichtig die Themen Nachhaltigkeit und Sustainable Events bereits genommen werden.

Welche ersten Schritte empfiehlst Du Kunden, die bisher noch keinerlei Erfahrungen mit nachhaltiger Veranstaltungsplanung haben?

Sich von mir beraten zu lassen! 🙂

Gerade zu Beginn ist es wichtig, dass Thema Schritt für Schritt anzupacken. Versucht man, sofort an allen nachhaltigen Stellschrauben im Unternehmen bzw. im Veranstaltungsbereich zu drehen, kann das schnell frustrierend und der Berg scheinbar rießen groß werden. Das Ziel des Veränderungsprozesses sollte natürlich sein, dass mit einem glaubwürdigen Leitbild im Rücken Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Unternehmens verankert ist. Bei den gewünschten und notwendigen Anpassungen beim Eventmanagement stehe ich gerne beratend und tatkräftig zur Seite.

Immer mehr Dienstleister aus dem Eventbereich oder auch Event-Locations lassen sich nach unterschiedlichen nachhaltigen Gesichtspunkten zertifizieren. Inzwischen gibt es zahlreiche Zertifikate unterschiedlichster Organisationen. Wie aussagekräftig sind diese Zertifikate in Deinen Augen und helfen sie Veranstaltern wirklich, die passenden Partner für ihr nachhaltiges Eventprojekt zu finden?

Der Dschungel an Zertifikaten und zugrundeliegenden Kriterien ist dicht. Die Verwirrung allerseits ist hier recht groß. Daher finde ich es viel wichtiger, sich Schritt für Schritt auf den nachhaltigen Weg zu begeben und keinen Zertifizierungsmarathon hin zu legen. Letztlich hilft es bei der Auswahl von Veranstaltungsorten und Eventdienstleistern natürlich schon, wenn man ein Zertifikat oder Siegel zur Orientierung hinzu ziehen kann. Das kann den Entscheidungsprozess durchaus erleichtern.

Wie wird sich der Veranstaltungsbereich in Sachen Nachhaltigkeit in den nächsten Jahren entwickeln?

Es wird immer mehr nachhaltige Angebote von Locations und Partnern geben, die es dem Kunden einfacher machen werden, Nachhaltigkeit im Eventplanungsprozess zu integrieren. Weil quasi die Anderen „ihre nachhaltigen Hausaufgaben“ gemacht haben. Zudem wird das Know-How und der Erfahrungsschatz in der Branche stetig wachsen, was Unsicherheiten abbaut. Ein Kunde wird sich eher trauen, den Schritt zum Sustainable Event zu wagen, wenn andere damit bereits Erfolge feiern konnten. Auch der Druck durch staatliche Regularien, Umweltauflagen oder Änderungen im Arbeitsrecht zum Beispiel wächst.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass nachhaltig das neue „normal“ wird. Nachhaltigkeit bei Events wird in der Zukunft ebenso Standard sein wie der Katalysator beim Auto. Denn Nachhaltigkeit ist langfristig die einzige lohnenswerte Perspektive.

Was war für Dich das spannenste Projekt, das Du begleitet oder umgesetzt hast?

Das war zum Einen eine Konferenz von Umwelthistorikern, die mich vor ein paar Jahren erstmals direkt und ganz praktisch mit dem Thema Green Meeting in Berühung gebracht und offensichtlich deutliche Spuren hinterlassen hat. Zum Anderen eine IT-Tagung mit rund 2.000 Teilnehmern, die gekonnt, zielgerichtet und sehr kreativ die Emotionen der Teilnehmer angesprochen hat.

Auf was freust Du Dich in nächster Zeit am meisten?

Nach einem arbeitsreichen Jahr 2015 freue ich mich jetzt sehr auf eine etwas ruhigere Weihnachtszeit, auf Zeit mit Familie und lieben Freunden und auf Schnee und rote Nasen.

Liebe Heike, vielen Dank für das Gespräch!

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