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EVENTCAFÉ – heute mit Messebauexpertin Andrea Walburg

EVENTCAFÉ – heute mit Messebauexpertin Andrea Walburg

In meinem EVENTCAFÉ treffe ich Expertinnen und Experten ihres Fachs, die ich zu verschiedenen Eventthemen befrage.

 

Andrea Walburg
Heute mit:  Andrea Walburg – Messebauexpertin und Geschäftsführerin von imb: troschke

Seit 2005 leitet Andrea Walburg als Geschäftsführerin das Messebauunternehmen  imb: troschke, das auf eine mittlerweile 80 jährige Firmengeschichte zurückblicken kann. Sie ist Lehrbeauftragte für Veranstaltungsmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und ist in diesem Jahr Jurymitglied für den FAMAB AWARD 2014 für die Kategorie ARCHITECTURE. Sie lebt und arbeitet nahe Frankfurt am Main.

K. Hoffmann-Wagner: Ich muss zu Beginn unseres Gesprächs gestehen, dass es mir dieses Mal sehr schwer fiel, mich auf zehn Fragen zu beschränken… Wir kennen uns schon einige Jahre und es gibt viele Themen, zu denen ich Sie befragen könnte.

Meine erste Frage klingt vielleicht etwas klischeehaft, interessiert mich dennoch ernsthaft: Sie führen als Frau ein Messebauunternehmen und sind damit in einer eher männlich besetzten Branche unterwegs. War das je ein Thema für Sie, Ihre Kunden oder Geschäftspartner?

Andrea Walburg: Nein, im Gegenteil. Unsere Kunden und Geschäftspartner schätzen die persönliche Betreuung und Projektabwicklung, die bei Frauen einfach kommunikativer und naturgemäß auch emotionaler ausfällt. Es findet sich, was sich finden will. Kunden, die genau dies möchten sind bei uns extrem gut aufgehoben.

Ich weiß es aus der langen Zusammenarbeit mit Ihnen und ein Blick auf Ihre Website belegt es: Die Ebene der Projektleitung ist in Ihrem Haus durchgehend weiblich besetzt – vielleicht ein heimliches Erfolgsrezept von imb: troschke?

Ja, möglicherweise. Durch unseren Anspruch der Kundenbetreuung formt sich natürlich das passende Team um einen herum. Bei Neubesetzungen sind uns hohe Kommunikationsbereitschaft, Liebe zum Detail, Kreativität und Grundwerte wie Verantwortung, Loyalität, Designaffinität und Vertrauen extrem wichtig. Der hohe Frauenanteil war aber offen gestanden kein Resultat einer strategischen Planung.

Genug mit den Klischeefragen und zu einem besonderen Ereignis: Ihr Unternehmen feiert in diesem Jahr 80. Geburtstag – Glückwunsch! Wie schafft es ein mittelständisches Unternehmen wie imb: troschke, so lange erfolgreich am Markt zu bleiben, dabei den Spagat zu schaffen zwischen sich treu bleiben und dennoch ständig neu zu erfinden und neue Trends aufzuspüren?

Eine schöne Frage und um sie mit zwei Worten zu beantworten: Durch Wachsamkeit und extrem hohe Flexibilität.

Wir ruhen uns nicht auf unseren Lorbeeren aus. Ein Punkt, den ich in unserem Unternehmen als stärkste Charaktereigenschaft ansehe. Wir beobachten sehr genau den Markt, sowie aktuelle Trends, schauen nach Entwicklungen anderer Branchen und hinterfragen uns ständig.

Notwendige Korrekturen können wir als kleiner Mittelständler schnell ausführen und uns anpassen. Ein dynamischer Prozess, der ein extrem wendiges Team braucht und Menschen, die diesen ständigen Wandel zulassen und ertragen können. Wer bei uns arbeitet weiß, dass kein Jahr wie das andere ist.

Bei aller Veränderung bieten unsere Werte und die Unternehmensethik ein stabiles Fundament. Das Resultat sind lange Geschäftsbeziehungen, unsere Kunden wissen, wir haben für sie das Ohr am Markt.

Sie selber sind schon viele Jahre im Unternehmen tätig, was hat sich beim Thema Messebau in den letzten 10 Jahren verändert?

Die Veränderung der Agenturszene hat einen großen Einfluss auf die Messebranche und wandelt diese rasant.

Das Thema Kommunikation im Raum ist mehr und mehr in den Fokus gerückt und will inszeniert werden. Ging es früher rein um Produkte – geht es heute auch um die Visualisierung und Erfahrung des Markenkerns.

Das Thema Nachhaltigkeit im Bereich Events und Messen beschäftigt mich sehr, ich stelle aber immer wieder fest, dass es hierbei noch nicht den gewünschten „Durchbruch“ in den Unternehmen bei ihrer Projektplanung gegeben hat. Imb: troschke hat sich 2013 durch den FAMAB als „Sustainable Company“ zertifizieren lassen, seit wann ist das Thema Nachhaltigkeit in Ihrer Arbeit ein Thema und wie bringen Sie das Ihren Kunden nahe?

Einige Unternehmen bzw. Branchen haben den Anspruch „ höher-schneller- weiter“ – wie es z.B. die IAA seit Jahren praktiziert. Die Marktstellung wird mit aufwendigsten, materialintensiven Messeständen dokumentiert.

Auch für mich ein Dorn im Auge, pompöse Auftritte für ein nachhaltiges Produkt? Ein Widerspruch in sich. Da bleibt noch viel zu tun.

Und damit sind wir wieder bei unseren Kernthemen: Kommunikation, Vertrauen, langfristige Partnerschaften. Nur wenn ich mein Gegenüber kenne – mich mit ihm abgleiche und Übereinstimmungen in seinen Werten und Zielen finde, kann ich als Dienstleister nachhaltig agieren. Wir können im Dialog Konzepte entwickeln, die Mehrfachnutzungen zulassen, ohne sich ändernde Exponate, Grafiken etc. zu vernachlässigen. Wir finden für alles Lösungen – man muss nur auch über Knackpunkte sprechen können.

Anonyme Ausschreibungen und ständiger Kostendruck unter Vernachlässigung der Inhalte sind dabei kontraproduktiv. Es muss uns in der Zukunft gelingen, wieder zu alten Grundwerten zurückzufinden – dann wird auch das Thema Sustainabilty gelebt werden können.

Welche Trends und Herausforderungen sehen Sie im Messebau der nächsten Jahre?

Die Verbreitung digitaler Inhalte nimmt zu. Medientechnik wird somit mehr Raum einnehmen. Es werden weiterhin neue Messeformate entstehen, deren Lebenszyklus immer kürzer werden wird. An diese Schnelllebigkeit muss sich der Messebau anpassen. Für Planung und Realisierung wird zunehmend weniger Zeit zur Verfügung stehen.

Neben der Produktpräsentation werden wir mehr und mehr Inhalte zur Marke des Unternehmens kommunizieren müssen, denn auch dadurch möchten sich die Aussteller differenzieren.

Im vergangenen Jahr wurde imb: troschke mit dem ADAM Award Gold in der Kategorie S durch den FAMAB ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen und Ihrem Team so eine Branchenauszeichnung?

Auszeichnungen sind einfach eine tolle Bestätigung für das gesamte Team und für die Energien, die man in einen neuen Weg investiert hat. Ich persönlich habe mich wahnsinnig über den goldenen Apfel gefreut, vor allem weil die anderen Einreicher auch ganz starke Konzepte hatten und ich nicht damit gerechnet habe.

Sie sind neben Ihrer Arbeit für imb auch Lehrbeauftragte für Veranstaltungsmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Was geben Sie dem Nachwuchs im Eventmanagement mit auf den Weg?

Die Generation Y und die folgende machen es einem manchmal nicht leicht. Der Wille und die Leidenschaft für das, was ich heute tue, hatte ich schon im Ansatz mit 13 Jahren. Die Studenten sind Anfang 20 und oftmals ziemlich leidenschaftslos.

Neben den Grundlagen des Messemanagements und des Messedesigns möchte ich vermitteln, dass sie lernen Dinge zu hinterfragen, eine eigene Meinung zu finden und diese zu argumentieren. Der reine Konsum von Informationen ohne Rückfragen, ohne Neugier, macht mich manchmal zweifelnd, ob man da ein Feuer entzünden kann. Ich versuche ihnen genau das zu geben.

Was war für Sie der spannendste oder auch herausforderndste Auftrag?

Das war die Entwicklung eines weltweiten Messekonzeptes mit dem Aufbau eines internationalen Netzwerkes in Asien, Russland und den USA. In unterschiedlichen Kulturen unsere Messebaustandards in Bezug auf Qualität zu vermitteln war nicht immer einfach, letztlich aber erfolgreich.

Auf was freuen Sie sich in der nächsten Zeit am meisten?

Auf 2 Wochen Urlaub.

Und noch eine allerletzte, 11. Frage: Wird es auch in diesem Jahr wieder einen Cheesecake Contest geben?

Sie sind ja sehr aufmerksam und gut informiert. Ja, wird es. Allerdings geht es in diesem Jahr um den Schokoladenkuchen in allen möglichen Varianten. Ich bin gespannt, vor allem, wie wir den Tag beenden werden. Es sind 9 Kuchen zum Wettbewerb angemeldet, somit haben die Tester einiges zu tun….

Hier lässt sich aber schön ablesen, dass dies ein gelebter USP unseres Unternehmens ist: Sich neuen Herausforderungen und dem Wettbewerb zu stellen. Und das macht mich sehr stolz auf mein Team.

Ich danke Ihnen sehr für dieses Gespräch, Frau Walburg!

Anmerkung K. Hoffmann-Wagner: Die Ergebnisse des Schokokuchen-Contests können inzwischen auf der Facebook-Seite von imb: troschke bewundert werden!

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