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Eventcafé – heute mit Messeexperten Jörg Meßwarb

In meinem EVENTCAFÉ treffe ich Expertinnen und Experten ihres Fachs, die ich zu verschiedenen Eventthemen befrage.

 

Heute mit:  Jörg Meßwarb – Messeexperte und Geschäftsführer der MB-Services Meßwarb GbR, Wiesbaden

Jörg Meßwarb ist ein ausgewiesener Consultant für Servicedivisionen in internationalen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie in Veranstaltungsgesellschaften. In dieser Eigenschaft berät er namhafte Unternehmen u.a. bei der Realisation von großen Messeprojekten. Das Benchmarking, die gezielte Umsetzung von Markenbotschaften schon in der Planung des Messestandes und die zielgerichtete Umsetzung des Potentials einer Messeteilnahme sind einige seiner Hauptthemen. Er arbeitet und lebt in Wiesbaden.

K. Hoffmann-Wagner: In Deiner Arbeit beschäftigst Du Dich mit Themen des Leadershipmanagement bzw. der Führungskräfteentwicklung ebenso wie mit der Optimierung im Dienstleistungsbereich des Klinik- und Messewesens. Wo liegt der Hauptschwerpunkt Deiner Arbeit?

Jörg Meßwarb: Zur Zeit eindeutig auf der strategischen Vorbereitung von Markeninszenierungen, zu denen u.a. Messen, Kongresse und Events gehören. Schwerpunkt sowohl für den Mittelstand als auch für die Konzerne ist hierbei die Maximierung des „Return on invest.“

Wir kennen uns aus dem Messebereich und ich habe Dich als Experten u.a. auf dem Gebiet der Markenkommunikation im Messebereich kennengelernt. Was sind die häufigsten Fehler von Unternehmen bei ihren Messeauftritten?

Mit einem Satz: Die strategische und teilweise sogar die operative Vorbereitung ist stark verbesserungswürdig. Kaum ein Unternehmen arbeitet konsequent Messeziele aus, geschweige denn misst diese. Oder die Aufstellung der Messemannschaft wird, gemessen an den Anforderungen, vernachlässigt – von einer Schulung durch spezialisierte Trainer mal ganz abgesehen.

Gibt es hier einen Unterschied zwischen den großen ausstellenden Unternehmen und den kleineren Ausstellern mit weniger Standfläche?

Ganz eindeutig und klar : NEIN … und noch eines: Gerade kleine Aussteller hätten oftmals die Chance sich durch kurze Entscheidungswege und konsequente Aufstellung ihrer Messeziele deutlich besser zu positionieren. Leider wird die Chance nicht genutzt.

Was zeichnet für Dich einen rundherum gelungenen Messeauftritt aus?

Kurz und knapp: Der sogen. „gelungene Messeauftritt“ zeichnet sich durch eindeutige Positionierung der MARKE(N), hiermit ist nicht nur das LOGO am Stand gemeint, und klar adressierte Markenbotschaften aus. Zusätzlich gehört eine dem Unternehmen angepasste Markenarchitektur sowie wie bereits erwähnt eine optimal geschulte Messemannschaft auf den Stand.

Einige Messen verzeichnen Rückgänge in den Aussteller- und Besucherzahlen, dennoch steht bei den meisten Unternehmern die Messeteilnahme ganz oben im Ranking ihrer Kommunikations- und Marketingstrategie. Was hat sich für Dich in den letzten 10 Jahren im Messebereich verändert?

Schlichtweg der Kostendruck auf das Markentingbudget der Aussteller und die Beschränkung der Reisetätigkeiten und -zeiten in den Unternehmen. Vielleicht machen dies die Slogans „Mehr Messe fürs Geld“ & „Messen messen“ deutlich. Hier galt und gilt es daran zu arbeiten.

In Deinen Expertisen beurteilst Du Messeprojekte neben der Umsetzung von Markenbotschaften auch nach der ganz praktischen Umsetzung am Stand durch die Standcrew. Was sind Deine Beobachtungen im Auftritt der Unternehmen und im „Dienst am Besucher“ – gibt es Trends, positive oder auch negative?

Dein genanntes Thema bereitet uns Messeexperten sehr, sehr viel Sorge. Da werden zwar gute Messestandarchitekturen dank überwiegend guter Leistungen von Agenturen und Standbauern auf die Messeflächen gebracht. Doch ist das Standpersonal weder in die Vorbereitung kommunikativ mit eingebunden, noch entsprechend auf die Unternehmens- und Vertriebsziele und damit wiederrum auf die Messeziele vorbereitet.

Nochmals: Das Standteam ist Teil der Unternehmensmarke!

Wie sieht Deine persönliche Erfahrung aus: Gibt es bei den Ausstellern einen Trend hin zu mehr Nachhaltigkeit in der Umsetzung von Messeprojekten in Bezug auf CO2-Reduzierung und die Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte?

Gut das Du das mal ansprichst: Wir haben das Thema im BÜM (Branchenübergreifender Messekreis von rund 26 Top-Unternehmen) diskutiert. Sicherlich ist am Messebau einiges (Beispiel LED – Beleuchtung u.v.m.) zu machen. Unseres Erachtens ist aber der beste Weg im Messewesen die Überprüfung des Gesamtauftritts. Muss ein Unternehmen tatsächlich im Rahmen seiner Ziele auf diese Messe gehen, z.B. wenn es dort fast ausschließlich auf Bestandskunden fokussiert ist? Hier fangen eben auch die messestrategischen Überlegungen an.

Was war für Dich der spannendste oder auch herausforderndste Auftrag?

Jeder neue strategische Auftrag ist spannend. Benchmark-und Wirkungsanalysen für Unternehmen gehören in der Tat zu den „nicht alltäglichen“ Herausforderungen.

Welchen Rat gibst Du jungen, Start-up-Unternehmen mit auf den Weg, die erstmals bei einer Branchenmesse als Aussteller teilnehmen wollen?

Auch wenn es etwas kostet, sollten die Start-ups, bevor sie irgendwelche Auftritte planen, den Rat eines Messeexperten einholen. Der kann ihnen einen breit aufgestellten Prozess aufzeigen, mit dem sie dann einige Jahre arbeiten können. Das spart letztlich den Start-Ups Geld und Zeit.

Auf was freust Du Dich in der nächsten Zeit am meisten?

Wir haben gerade für einen großen Konzern eine Wirkungsanalyse von mehreren Fachmessen als Auftrag, die sich bis in den Herbst hinein durchzieht. Was nimmt der Kunde tatsächlich vom Messestand mit? Da wir eine „offene“ Analyse fahren, bin ich „sogar als alter Messehase“ auf die Ergebnisse sehr gespannt, zumal hierdurch neue strategische Überlegungsansätze in Richtung Kostenreduzierung auf uns zukommen werden.

Ich danke Dir für dieses Gespräch, Jörg!

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