Nichts für Einsteiger – mein erstes Online-Barcamp

Nichts für Einsteiger – mein erstes Online-Barcamp

Die Zeiten sind gerade ziemlich ungewöhnlich, um nicht zu sagen unglaublich. Wer von uns hätte zu Beginn des Jahres im Traum daran gedacht, dass wir uns irgendwann nur noch zu zweit treffen dürften, jegliche Art von Veranstaltung oder Messe abgesagt würde und ein Supermarktbesuch nur noch mit einem Mund-Nasen-Schutz möglich sein würde, nachdem man einzeln aufgefordert wurde, diesen zu betreten.

Es ist Corona-Zeit. Eine Zeit, die alles bisherige umkrempelt und auf den  Kopf stellt. Und so ist es mehr als logisch, dass spätestens jetzt das Leben auf digital gestellt wird. Jede*r Coach bietet spätestens jetzt virtuelle Beratung an und auch im Veranstaltungsbereich wird das, was dazu geeignet scheint, auf digital und virtuell umgestellt.

Von Off- zu Online

Für mich als ausgewiesende Offline-Eventfrau ein spannendes Feld. Digitalisierung ist mir natürlich nicht fremd – als Selbstständige organisiere ich mich weitestgehend digital. Aber virtuelle Veranstaltungen waren bis auf ein paar Webinare oder Meetings bisher kein Thema für mich. Das hat sich nun geändert: Ich habe an meiner ersten digitalen Veranstaltung teilgenommen und habe schon einige weitere auf dem Plan. Und dabei sammle ich Erfahrungen, die ich sicher später in meine eigene Arbeit integrieren kann.

Aber ist wirklich jede Veranstaltung für den Wechsel ins Digitale geeignet? Die Zeit wird es zeigen. Ich jedenfalls habe die Möglichkeit gehabt, an einem meiner Lieblingsformate, dem Barcamp, teilzunehmen. Nun ist der Kern eines Barcamps die Teilgeberschaft der Teilnehmenden durch Sessions, in denen sie das Programm erst entstehen lassen und gestalten. Wie also ist es möglich, diese Form von Partizipation ins Virtuelle zu übertragen?

Mein erstes virtuelles Social-Media-Barcamp fand am vergangenen Samstag statt. Die Organisatorin Barbara Krekeler von Increase Creativity hatte den Termin für die zum 3. Mal stattfindende Veranstaltung schon vor einiger Zeit gesetzt und es sollte in Wiesbaden stattfinden. Aufgrund der momentanen Lage entschloss sie sich nun kurzerhand dazu, das Barcamp in einer Online-Variante stattfinden zu lassen. Eine mutige Entscheidung, denn dazu gehört ein fundiertes Wissen um die Technologie, die einen reibungslosen Ablauf einer so komplexen Veranstaltung ermöglicht.

Das Setting

Es nahmen ca. 25 Menschen an dem Barcamp teil, die im Vorfeld Tickets erworben hatten. Das Barcamp fand über Zoom statt. Ebenfalls im Vorfeld versorgte die Organisatorin alle Teilnehmenden mit verschiedenen Links natürlich zur Veranstaltung, zum Sessionplan, in den jede Person ihr Angebot eintragen kann, ein Netzwerkdokument zur Teilnehmendenübersicht sowie einen Link zum Instant-Messaging-Dienst Slack. All das sollte es ähnlich wie bei einem physisch stattfindenden Barcamp ermöglichen, miteinander zu kommunzieren, sich und seine beschreibenden Hashtags kennenzulernen und das Sich-Füllen des Sessionplans zu verfolgen – eben ganz virtuell.

Der Ablauf

Nachdem nahezu alle Teilnehmden pünktlich im Zoom-Raum erschienen sind, begrüßte uns die Organisatorin und gab gefühlt unwahrscheinlich viele Informationen zum Ablauf und zu den technischen Gegebenheiten, die wir während des Barcamps berücksichtigen sollten. Auch hatte sie im Vorfeld eine kurze, aber sehr wichtige Übersicht über die Netiquette-Regeln verschickt, die hier noch einmal erläutert wurden. Eine hervorragende Idee, um Reaktionen und Emotionen über den Bildschirm deutlich zu machen, waren die von Barbara gestalteten Papier-Emojis, die sie vorab verschickt hatte und die jetzt zum Einsatz kamen.

Nach den organisatorischen Hinweisen wurden – wie auch beim herkömmlichen Barcamp – die Sessionangebote und -ideen gesammelt und in das entsprechende Netzwerkdokument des Sessionplans eingetragen. Da die Sessions ebenso wie im „normalen Leben“ zum Teil parallel stattfanden, wurden hierfür virtuelle Räume geschaffen, zu denen wir dann je nach unserer Präferenz „hingeschoben“ wurden. Die Kommunikation mit den Teilnehmenden lief entweder über die Mikrofone oder über den parallel laufenden Chat.

Der Vormittagspart wurde durch eine ca. 45 minütige Mittagspause, die man ganz offline zu Hause verbrachte, vom Nachmittag getrennt. Anschließend kehrten alle Teilnehmenden wieder an ihre Devices zurück ins Barcamp. Auch hier im Online-Modus gab es am Ende des Events eine Abschlussrunde, in der alle Teilnehmenden ihre Eindrücke wiedergeben konnten.

Die Sessions

Nachdem wir via Chat unseren Sessionwunsch geäußert hatten, teilte die Organisatorin uns den einzelnen, virtuellen Räumen zu und mit einem Click waren wir dann in dem entsprechendem Raum mit anderen Teilnehmenden, die sich ebenfalls für diese Session entschieden hatten. Es gab zwei Sessionstränge am Vormittag und zwei am Nachmittag. So konnte man an insgesamt vier Sessions teilnehmen

In der Regel gab es eine*n Ideengeber*in für das jeweilige Thema, der oder die dann auch eine Art von Moderation für die Session übernahm. Schnell war in der Regel auch festgelegt, wie mit Wortmeldungen verfahren würde und eine Rednerliste angelegt. Für jede Session waren ca. 35 Minuten angesetzt, die für alle sichtbar programmiert waren. Mit einigen Minuten Puffer wurde die Session dann automatisch beendet und man fand sich im Plenum wieder.

Mein Fazit

Insgesamt muss ich wirklich sagen, dass Barbara ihr erstes Online-Social-Media-Barcamp absolut top vorbereitet und durchgeführt hat. Hut ab und ein riesen Kompliment dafür! Die Technik funktionierte hervorragend und die Übergänge vom Plenum in die einzelnen Sessionräume und zurück haben absolut reibungslos geklappt.

Allerdings muss ich sagen, dass man schon ausgeprägte technische Erfahrungen im Umgang mit den unterschiedlichen Programmen mitbringen sollte. Ich selber konnte Slack nicht nutzen, weil ich Probleme hatte, den Zugang einzurichten und das parallel zum Barcamp – in diesem Falle tatsächlich mein Problem, aber immerhin auf dem Handy den Sessionplan und das Netzwerkdokument zu nutzen, klappte auch bei mir.

Der Anfangspart erschien mir mit den organisatorischen und technischen Hinweisen recht lang. Allerdings waren das vermutlich nahezu die selben Informationen (bis auf die Technik), die auch bei einem physisch stattfindenden Barcamp gegeben würden, doch durch die Konzentration auf den Bildschirm verschieben sich oft zeitliche Wahrnehmungen. Auch fehlte mir die für Barcamps übliche vollständige kurze Vorstellungsrunde aller Teilnehmenden. So kann man sich direkt schon ein Bild machen, wen man später in den Sessions trifft.

Alles in allem war dieses Online-Barcamp eine sehr gelungene Alternative zum Offline-Event, die mir viel Input zum Thema mitgegeben hat. Aber ich fand die Konzentration auf den virtuellen Input über 4 Stunden lang mit kurzen Unterbrechungen recht anstrengend. Ganz klar gefehlt hat mir der persönliche Kontakt mit anderen Barcampern und -camperinnen während der gemeinsam zurückgelegten Wege zu den Sessionräumen, der gemeinsamen Pausen und dem spontanten Schlagabtausch während der Sessions.

Mein Schlusssatz: Online kann eine gute, zeitweise Alternative oder auch Ergänzung zum Offline-Barcamp sein, aber nie ein echter Ersatz.

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