She means business – mein Rückblick auf die Premiere bei der #IMEX18

Am 14. Mai 2018 war es soweit: In Frankfurt fand die erste Konferenz für Frauen in der Eventbranche statt, die She Means Business, und zwar im Rahmen der IMEX – der Messe für Incentive-Reisen, Meetings und Events. Nachdem das Branchenmagazin tw tagungswirtschaft vor gut einem Jahr eine Umfrage zur Position von Frauen in der Veranstaltungsindustrie durchgeführt hatte, war diese Konferenz eine Schlussfolgerung aus den Ergebnissen und dem Wunsch, nach mehr Austausch und Information für weibliche Eventprofessionals. Verantwortet wurde die Konferenz von der tw tagungswirtschaft sowie der IMEX Group.

Dass es Frauen in unserer Branche nach wie vor nicht leicht haben, wissen wir – teils auch aus eigener Erfahrung – schon lange. Und deshalb waren die Erwartungen an diese Konferenz sicher nicht nur bei mir entsprechend hoch. Hier mein persönlicher Rückblick auf die Premiere dieses Formats.

Perfekte Organisation

Hier kann ich den Organisatorinnen nur ein großes Kompliment machen: Die Halbtages-Konferenz wurde von Profis für Profis geplant – das hat man von Anfang an gemerkt. Das Kap Europa in Frankfurt bot den idealen Rahmen für den Event und sorgte für das entsprechende Ambiente.

Sehr positiv fiel mir das Bühnenbild auf – sehr frisch, aufgeräumt und professionell.

Selbst den Supergau für Veranstalter – die Moderatorin kann nicht kommen, da sie kein Visum für die Einreise bekam – wurde auf eine sehr charmante Art gelöst: Hier musste die Chefin selber ran. Kerstin Wünsch, Chefredakteurin der tw tagungswirtschaft und eine der Macherinnen der #SheMeansBusiness, führte professionell und ruhig durch das Programm, das durchgehend in englischer Sprache stattfand.

Das Programm

Nach der Einführung in die Konferenz durch Carina Bauer (CEO der IMEX Group), neben Kerstin Wünsch ebenfalls verantwortlich für die Konferenz, zeigten die Eurofighter-Pilotin Nicola Baumann und Laura Winterling (CEO Space Time Concepts GmbH – möchte als erste deutsche Frau ins All fliegen), in ihren Keynotes, warum es sich gerade auch für Frauen lohnt, sich für Träume und große Ziele einzusetzen.

Im zweiten Konferenzsegment ging es allgemein um das Thema „Women in Business“ mit kurzen Statements von Karin Nordmeyer (Chairwoman, UN Women National Commitee, Germany), Dr. Mara Harvey (Head, Global UHNW Germany, Austria, Italy, UBS), Susanne Labonde (Director, Global Employer Branding, SAP), sowie Isabel Bardinet (CEO, European Society of Cardiology). Es folgte eine kurze, von Kerstin Wünsch geführte Panelrunde mit den Speakerinnen.

Im Anschluss kamen die „Women in events“ und Jeanine Koch (Director re:publica) zeigte, wie Diversität im Team, aber auch in der Gestaltung der Mega-Onlinekonferenz re:publica in Berlin funktionieren kann. Lyn Lewis-Smith (CEO Business Events Sydney) machte in ihrem Statement ganz deutlich, wo eines der Grundprobleme für Frauen (nicht nur) in der Eventbranche liegt:

Die anschließende Paneldiscussion die von Sherrif Karamat (CEO, PCMA) brachte vier Frauen aus der Eventbranche auf die Bühne: Nina Freysen-Pretorius (President ICCA), Karen Bolinger (CEO, Melbourne CVB), Sarah Sigloch (Vice President Human Resources, H-Hotels AG) und Heike Mahmoud (Chief Operating Officer CCH).

Die als letzter Programmpunkt geplante Round table discussion sollte das Gespräch zwischen den Teilnehmenden vertiefen und so wurden verschiedene Themen, wie z.B. Mentoring, angeboten.

Meine Erwartungen

„Auf einer neuen Konferenz während des EduMonday im Vorfeld der IMEX in Frankfurt werden wegweisende Frauen ihre Erfahrungen teilen, wertvolle Ratschläge geben und zum Handeln anregen.“

So machte uns die Pressemeldung im Vorfeld auf die Konferenz neugierig, und so waren auch meine Erwartungen an den Nachmittag: Ich erwartete Frauen, die erfolgreich ihren Weg in der Branche gegangen sind, und positive Beispiele, die zeigen, dass es auch in einer Branche wie unserer möglich ist, moderne Arbeitsformen zu nutzen und Frauen und  Männern gleichermaßen eine Entwicklung in ihrem Arbeitsfeld ermöglichen. Letzteres ist für mich unbedingt erforderlich, wenn es um Lösungen geht, denn nur sie bringen uns in der Frage nach der Situation von Frauen im Veranstaltungsbereich weiter.

Mein Fazit

Das Programm war ein Feuerwerk an hochkarätigen Speakerinnen aus aller Welt – ohne Frage. Ich hatte die Möglichkeit, mir viele Erfolgsgeschichten von zum Teil sehr weit angereisten Speakerinnen anzuhören. Das ist gut und wichtig und macht sicher Mut, dass es Wege gibt, auch gegen Widerstände als Frau im Job erfolgreich zu sein. Aber vielleicht war das zu weit über das Ziel hinausgeschossen.

Denn trotz dieser Top-Besetzung blieb für mich die Betrachtung des Themas Frauen in der Eventbranche insgesamt nur oberflächlich. Außer der für uns alle nicht neuen Erkenntnis, dass wir Frauen in vielen Situationen selbstbewusster und lauter auftreten müssen und dass die gegenseitige Unterstützung unter uns Frauen noch viel selbstverständlicher werden sollte usw., fehlten mir Leuchtturmbeispiele und Lösungen.

Es ist den Veranstalterinnen hoch anzurechnen, solch internationale Top-Frauen für die #SheMeansBusiness-Konferenz nach Frankfurt zu holen. Doch weniger die Beispiele aus Australien oder Südafrika helfen uns weiter. Vielmehr sind es Vorbilder – Personen als auch Unternehmen – aus dem eigenen, europäischen und nationalen Umfeld, die für konkrete Lösungen stehen und zeigen, wie es für alle Seiten funktionieren kann.

Beispielsweise im Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Es gibt auch heute schon Agenturen, die es Eltern ermöglichen, ihren Job im Eventgeschäft mit der Familie zu vereinbaren. Denn das ist eines der Hauptprobleme unserer schillernden und umtriebingen Branche: Ab dem Zeitpunkt der Familiengründung ist für viele Mitarbeiter in Agenturen, in denen ein großer Teil des Eventbusiness läuft, Schluss. Und da wir hier überwiegend Frauen vorfinden, verschwindet hier ein großes Potenzial einfach aus den Unternehmen. Langfristig gesehen ein Desaster.

Teilzeitmodelle sind leider für viele Agenturen undenkbar – größere Unternehmen sind für ihre Eventunits hier zum Teil wesentlich weiter. Denn gerade bei der Konzeption von Veranstaltungen jeglicher Art ist ein flexibles Arbeiten möglich und zum Teil sogar förderlich.

Ähnlich verhält es sich mit den Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen – nicht nur in die Chefetagen hinein. Auch mit der vorbildlichsten Einstellung von Frauen, stoßen wir häufig an gläserne Decken oder verkrustete, männlich dominierte Strukturen.

Es geht eben nicht nur um die Einstellung und das Verhalten von uns Frauen, wie die Speakerin Lyn Lewis-Smith in ihrem oben erwähnten Zitat meinte. Hier geht es um Änderungen in der Gesellschaft, in den Köpfen und Unternehmen. All das zusammen sollte als Basis für Lösungen dienen.

Die gerade vergangene erste #SheMeansBusiness war insgesamt ein guter Auftakt und hat viel Raum für Gespräche und Vernetzung geboten. Das an sich ist ein wichtiger Erfolg. Für die Fortsetzung des Formats, was ich inständig hoffe, sollte das Programm jedoch mehr Tiefe, Beispiele für vorbildliche Unternehmen und Kernthemen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf enthalten.

Mehr Interaktion würde vielleicht erzielt werden, wenn die Konferenz in Frankfurt stattfindend überwiegend in deutscher Sprache stattfinden würde. Denn am Ende eines Nachmittags mit spannenden, aber ausschließlich in englischer Sprache gehaltenen Kurzreferaten, war zumindest bei mir die Luft raus, in die englischsprachige Diskussion einzusteigen und die Ergebnisse ebenfalls auf englisch zusammen zu fassen. Hier wäre denkbar, ein Format in englischer Sprache für die IMEX America anzusetzen und in Frankfurt den Fokus auf den europäischen Raum und passend zur Destination in überwiegend deutscher Sprache anzubieten.

Danke an die Organisatorinnen für diese Premiere – schön war es allemal, und es wird spannend zu beobachten, welche Entwicklung die #SheMeansBusiness der IMEX in den kommenden Jahren nehmen wird.

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