Sicherheit geht vor – „Rock am Ring“-Festival fällt Unwettern zum Opfer
Festival Konzertbühne

Sicherheit geht vor – „Rock am Ring“-Festival fällt Unwettern zum Opfer

Festival Konzertbühne

Das erste Juni-Wochenende 2016 werden die Veranstalter und Fans des legendären „Rock am Ring“-Festivals wohl so schnell nicht vergessen. Das jährlich stattfindende Open-Air-Festival mit internationalen Pop und Rock-Größen wurde am zweiten Festivaltag abgebrochen. Diese Ereignisse und die öffentlichen Reaktionen dazu machen wieder einmal deutlich, wie schwierig eine solch extreme Situation für Veranstalter ist. Aber was lernen wir als Veranstalter aus den Geschehnissen rund um „Rock am Ring“ 2016? Unabhängig von den rechtlichen und versicherungstechnischen Fragen habe ich aus Veranstaltersicht meine eigenen Gedanken darüber gemacht.

Die Ausgangslage

Worum geht es: am Abend des ersten Festivaltages wurden zahlreiche Fans durch starke Unwetter, vor allem bei Blitzeinschlägen, zum Teil schwer verletzt, das Bühnenprogramm wurde mehrere Stunden unterbrochen, bis es in den späten Abendstunden des 3. Juni fortgesetzt wurde. Der zweite Festivaltag begann dann mit der Aussetzung des Programms, bis es in den Abendstunden wieder aufgenommen wird. Während des Bühnenprogramms verkündet der Veranstalter des „Rock am Ring“-Festivals, Marek Lieberberg, dass es aufgrund der schlechten Wetterprognosen bis dato keine Genehmigung für die Fortführung des Festivals am folgenden Sonntag gäbe. Um den Bericht nun etwas zu verkürzen: die Genehmigung wurde nicht mehr erteilt, das Festival wurde abgebrochen.

In diesem Bericht der SWR-Sendung „DAS DING“ wird das Ausmaß des Unwetters und die Auswirkungen auf den Festivalbetrieb deutlich: „So war Rock am Ring 2016“.

Hätte das Festival überhaupt stattfinden dürfen?

Das ist für mich eine der Kernfragen, und die macht sich kein Veranstalter leicht. Geht es doch hierbei um zum Teil sehr hohe Summen, die beim Ausfall eines Events ggf. an Künstler, Subunternehmen, Besucher etc. gezahlt werden müssten. Aber dennoch: im Vordergrund steht immer die Frage nach der Sicherheit ALLER Beteiligten, das sollten wir alle aus den Geschehnissen der Loveparade in Duisburg 2010 gelernt haben.

Betrachtet man die Bilder, die in verschiedenen Medien zu sehen waren, liegt der Zweifel nahe, ob bei tagelangen und heftigen Regenfällen eine kaum befestigte Open-Air-Location die Voraussetzungen bietet für ein Groß-Festival: z.B. für eine geordnete An- und Abreise, ein sicheres Campen und gar eine gesicherte Zufahrt für Einsatzwagen. Es ist keine dankenswerte Aufgabe, kurzfristig für ein Event mit ca. 90.000 erwarteten Besuchern „umzusiedeln“, aber die Frage nach einer geeigneten Alternativlocation oder einer kurzfristigen Absage des Festivals muss in einem solchen Fall offen und ehrlich geklärt werden.

Schutz bei akuten Unwettern?

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Open-Air-Festival unter freiem Himmel stattfindet. Ein Dach über dem Kopf findet man in der Regel nur auf der Bühne oder in einigen weiteren „fliegenden Bauten“ wie Zelten oder Containern. Der Veranstalter warnte die Besucher am ersten Festival vor Eintreffen der Unwetter über dem Festivalgelände und empfahl, Zelte und Fahrzeuge aufzusuchen. Aber bieten diese Möglichkeiten überhaupt ausreichend Schutz und das für ca. 90.000 Besucher?

Welche Schutzmaßnahmen hat der Veranstalter überhaupt vorzusehen oder liegt es gerade bei großen Open-Air-Festivals nicht auch in der Verantwortung der Besucher zu entscheiden, ob sie sich der extremen Wetterlage aussetzen? Eine zugegebenermaßen für jeden Veranstalter sehr schwierige Frage, die vorab immer mit entsprechenden Rechtsexperten geklärt werden sollte. Wie schwierig dieses Thema ist zeigt sich in einem Beitrag von Rechtsanwalt und Eventrechtsexperte Thomas Waetke.

Die Krisenkommunikation

Meiner Ansicht nach verlief die Kommunikation gut. Sie spielte sich hauptsächlich über die Website des Veranstalters und Twitter ab. Sicher hätte am ersten Festivaltag eine klarere Kommunikation erfolgen können, was die aktuelle Unwetter- und Sicherheitssituation angeht. Doch muss hier ein Veranstalter neben der transparenten Information auch immer so kommunizieren, dass es keine Panik unter den Besuchern gibt – bei ca. 90.000 Besuchern ein besonders wichtiger Punkt.

Es folgten über die Website des Veranstalters regelmäßige Wetterupdates, vor Ort wurden die Besucher über Lautsprecher über Schutzmaßnahmen vor dem Unwetter informiert. Auch über die vorläufige Unterbrechung des Festivals und den letztlichen Abbruch wurde hinreichend über die öffentlichen Kanäle informiert. Zwei Tage später wurde zudem eine Stellungnahme der Veranstalter zu den Geschehnissen rund um das Festival auf der Facebook-Seite von „Rock am Ring veröffentlicht“.

Fazit für Veranstalter

Die Entscheidung, das Festival abzubrechen, war in meinen Augen und nach den Berichten zufolge richtig. Es ist und bleibt aber schwierig, in die Köpfe der Beteiligten zu schauen, um zu verstehen, warum Schritte vollzogen wurden und andere nicht. So lange man nicht selbst im Team ist, bleibt es bei Mutmaßungen.

Was aber in meinen Augen das Beispiel von „Rock am Ring“ zeigt ist, dass sich Veranstalter – ganz gleich ob von großen oder kleineren Open-Air-Events – von Anfang an hinreichend dem Thema Sicherheit widmen müssen.Hierzu gehört vorab das Durchspielen von Krisenzsenarien gemeinsam im Team mit Experten aus Behörden, Sicherheit und ggf. auch aus dem Bereich Eventrecht, das Prüfen von Alternativlocations und das Festlegen von Entscheidungswegen mit den entsprechenden Kompetenzen.

Auf Branchenebene sollten wir noch ausgiebiger auf Konferenzen, in Magazinen oder Blogs über das Thema Sicherheit und Krisenmanagement diskutieren. Diese Themen haben zum einen durch extremere Wetterlagen in den letzten Jahren, die vor allem die Open-Air-Kultur betreffen, aber auch durch die allgemeine Sicherheitslage aufgrund von Terrorgeschehnissen imens an Bedeutung für Veranstalter gewonnen – dem sollte unbeding Rechnung getragen werden, denn Sicherheit geht immer vor.

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