Tolles Tool, aber keine Interaktion – Tipps für den Einsatz von Audience Response Tools

 

Immer häufiger komme ich bei verschiedenen Vortragsveranstaltungen und Konferenzen in Kontakt mit Tools zur Teilnehmerinteraktion. Dabei beobachte ich sehr aufmerksam, wie die Tools seitens des Veranstalters eingesetzt werden und dass es nicht selten trotz modernster Interaktionstechnik zu einer geringen Beteiligung seitens des Publikums kommt. Das wiederum bringt so manchen Redner oder Moderator zu Motivationsparolen wie „Was, so wenig?“, „Sind Sie gedanklich noch bei einem anderen Vortrag/in der Pause?“, „Da geht doch noch mehr!“. Hand aufs Herz: Fühlen Sie sich durch derartige Sprüche zum spontanen Mitmachen animiert? Ich leider nicht.

Ziel dieser sog. Audience Response Systems (ARS) ist es, in Interaktion mit den anwesenden Teilnehmern zu treten, um den Event weniger statisch und damit attraktiver werden zu lassen, aber auch um Meinungsbilder zu erstellen. Technisch laufen diese Tools in der Regel browserbasiert als Internetanwendung oder in Form einer App. Somit ist ein Smartphone oder Tablet einzige Voraussetzung zur Teilnahme an Umfragen, zum Übermitteln von Feedback o.a. – technisch also keine wirkliche Hürde für das Publikum, da die überwiegende Zahl der Teilnehmer heute Smartphones nutzt.

Wenn der Eisbrecher nicht zum Smartphone greift

Die Interaktion mit den Zuhörern zu steigern oder überhaupt erst einmal herzustellen ist gut und sinnvoll, hat sie doch in den letzten Jahren gerade bei Konferenzen und Tagungen häufig  gefehlt. Zwar gab es auch schon früher die obligatorischen Fragerunden am Ende eines Vortrags, doch je nach Publikum waren bis auf einige „Eisbrecher“ nur wenige Teilnehmer bereit, öffentlich sichtbar Fragen an den Referenten zu stellen. Mit Fragen während des Vortrags verhielt es sich in der Regel ähnlich.

Technische Interaktionstools eigentlich auch schon früher, bei denen Fragen an das Publikum gerichtet wurden, um Meinungsbilder einzufangen. Es gab nur wenige Antwortmöglichkeiten, insofern mussten die Fragen präzise vorbereitet und formuliert werden. Technisch und kostenmäßig nicht immer einfach zu handhaben. Die heutigen Tools bieten dagegen je nach Anwendung eine Vielzahl von Frage- und Antwortmöglichkeiten für das Publikum. Doch auch hier ist die Beteiligung der Zuhörer häufig sehr gering, doch woran liegt das?

Auf die richtigen Fragen kommt es an

Eines sollte man sich als Veranstalter oder Eventplaner vor dem Einsatz von Audience Response Tools klar vor Augen führen: Nur weil die Frage- und Antwortmöglichkeiten z.B. durch Freitexteingaben schier unbegrenzt sind, steigt nicht automatisch die Zahl der Interaktionen. Zum einen spielt hier die Begeisterungsfähigkeit von Rednern oder Moderatoren durch gute Vorträge oder Redebeiträge eine große Rolle, um die Teilnehmer zum „Dranbleiben“und Mitmachen zu animieren. Aber es liegt eben auch an der Art der Nutzung dieser Tools und letztlich an den Fragen selber. Folgende Fragen sollten sich Veranstalter und Eventplaner deshalb vorab unbedingt stellen:

  • Wer sitzt im Publikum und sind die Zuhörer überwiegend mit Smartphones ausgestattet?
  • Um welche Art der Veranstaltung/des Vortrags handelt es sich?
  • Welche Art der Interaktion wird gewünscht (während und/oder nach dem Vortrag)?
  • Wer formuliert die Fragen (Referent, Moderator, Veranstalter/Planer)?
  • Wer überwacht den Eingang an Fragen oder Statements aus dem Publikum?
  • Wann und in welcher Form werden sie an den Referenten gespielt?

Bei der Formulierung der Fragen sollte auf Folgendes geachtet werden

  • sollen Auswahlfragen, Freitextfragen oder weitere Fragearten gestellt werden?
  • Fragen allgemein verständlich und nicht zu kompliziert formulieren
  • sinnhafte Fragen, die im unmittelbaren Zusammenhang zu dem Vortrag/der Veranstaltung stehen
  • keine ironisch gemeinten Formulierungen verwenden
  • bei frei zu formulierenden Antworten/Statements ggf. Formulierungshilfen geben

Wenn diese Punkte vorweg gründlich in die Auswahl und den Einsatz eines Interaktionstools eingebunden werden, sollte es auch mit der Interaktion klappen und zwar in ausreichender Zahl.

 

Weiterführende Links zum Thema:

Definition von Audience Response Systems

HiLF-Projekts zum Thema „Live-Voting“ der Fachhochschule Dortmund


Haben Sie weitere Tipps oder eigene Erfahrungen im Einsatz von Interaktionstools? Schreiben Sie mir einfach – gerne als Kommentar oder per Mail an info@hoffmannevent.de.

 

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