T.: +49 (0) 61 08 79 08 93 | Email: info@hoffmannevent.de
Kratzen an der Oberfläche – wie familienfreundlich sind Agenturen wirklich?

Kratzen an der Oberfläche – wie familienfreundlich sind Agenturen wirklich?

(Anmerkung 1 aus 2017: Dieser Beitrag wurde von mir 2014 verfasst. Eigentlich wollte ich ihn mit aktuellen Ergebnissen aktualisieren, doch leider konnte ich keine neueren Umfrageergebnisse ermitteln.)

Im Oktober 2014 erschienen die Ergebnisse der „Human Resources Management Studie 2014“ des GWA (Gesamtverband der Kommunikationsagenturen), die zuletzt 2009 mit ähnlicher Fragestellung erstellt wurde. Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Die Kernaussage der Studie konnte in den entsprechenden Pressemeldungen gelesen werden: „Management von Agenturen bleibt Männerdomäne“ (HORIZONT.NET), obwohl die Mehrheit der Beschäftigten in Agenturen Frauen sind.

Kratzen an der Oberfläche

Wenn wir ehrlich sind, ist das keine neue Aussage – weder für die Agenturlandschaft, noch für den überwiegenden Rest der Unternehmenswelt. Aber auch nach mehrmaligem Studieren der Grafiken über die Befragungsergebnisse der GWA-Studie gab es keine tiefergehenden Informationen über die eigentliche Frage, die mich in diesem Zusammenhang beschäftigt: wie familienfreundlich sind die Agenturen?

Für mich ist nicht allein der Anteil an weiblichen Führungskräften in einem Unternehmen ein Indiz für Chancengleichheit, Familienfreundlichkeit oder Gleichberechtigung. In vielen Studien wird genau bei dieser Frage stehengeblieben, aber nicht weiter in die Tiefe gegangen. In der GWA-Studie wurde (immerhin) nach der Anzahl der Mitarbeiter mit Kindern gefragt – dabei blieb es aber dann auch. Obgleich die Studie zeigt, dass die Mehrheit von 67% der Mitarbeiter keine Kinder hat, sollte spätestens, wenn man sich die Altersstruktur der Agenturen ansieht – nahezu 64% der Mitarbeiter bewegen sich zwischen 21-40 Jahren – genau hier weitere Fragen nach den Gründen dieses Ungleichgewichts stellen.

Agentur, Kind und dann?

Bisher konnte ich noch keine aussagefähige Studie oder andere Befragungen ausfindig machen, die sich genau damit beschäftigen: was passiert mit den Agenturmitarbeitern, wenn sie Kinder bekommen? Kehren sie den Agenturen den Rücken? Arbeiten sie in Vollzeit weiter? Gibt es Beispiele für Teilzeitmodelle im Agenturbereich? Leider hat die GWA-Studie diese Chance verpasst, einen ersten Status zur Familienfreundlichkeit von Agenturen zu zeigen. Dabei wäre das die eigentlich spannende Frage, wenn ich nach meinen privaten „Erhebungen“ durch Gespräche mit Branchenkollegen in Agenturen gehe.

Demnach gestaltet es sich noch immer denkbar schwierig, die Agenturtätigkeit in Teilzeit und nach einer Elternpause fortzusetzen – dies betrifft weibliche und männliche Mitarbeiter gleichermaßen. Es gibt sicher einige Beispiele, die zeigen könnten, dass es Ansätze von Umdenken bei den Agenturen gibt, was Arbeitszeiten, Projektkoordination oder auch ein Anpassen von Abläufen an Teilzeitmodelle betrifft. Denn Teilzeit bedeutet nicht immer eine Arbeitszeit von 9 bis 13 Uhr. Vielmehr ist hier Flexibilität gefragt sowohl seitens der Führungskräfte als auch der Agenturmitarbeiter.

Familienfreundlichkeit für mehr Nachwuchs

In vielen Bereichen der Agenturlandschaft wird derzeit über die Gewinnung von geeignetem Nachwuchs diskutiert. Genau aber in diesem Zusammenhang und nichtzuletzt aufgrund demografischer Entwicklungen ist es höchste Zeit, die Familienfreundlicheit – oder sollte man eher sagen die Familientauglichkeit – der Agenturen auf den Prüfstand zu stellen.

Anmerkung 2 aus 2017 – Ergänzung aus der Gegenwart:

Leider konnte ich bei meinen Recherchen nach neueren Erhebungen nicht fündig werden. Es wäre dringend an der Zeit, zur Frage der Familienfreundlichkeit in Agenturen eine neue Umfrage zu erstellen, die dann fundierte Basis für strukturelle Veränderungen sein könnte. Es gibt zwar eine Trendstudie für den Kreativ- und Kulturbereich, der ebenfalls den Anteil von Frauen in Führungspositionen untersucht hat. Doch fehlt hier neben den Angaben über die prozentuale Verteilung in Agenturen auf Männer und Frauen die wichtige Information über das Alter der Belegschaft. Denn nur so könnten Rückschlüsse auf in den Branchen beschäftigte Eltern vorgenommen werden.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen